Persönlichkeitsmodelle – die 6 besten im Vergleich

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Persönlichkeitsmodelle

Persönlichkeitsmodelle helfen, sich unterschiedlicher Denkweisen bewusst zu werden

Persönlichkeitsmodelle haben den Anspruch, zwischenmenschliche Unterschiede in Verhalten und Charakter möglichst passend zu beschreiben. Sie können Ihnen helfen, sich selbst besser zu verstehen, verbessern aber auch den Umgang mit anderen. Selbstverständlich können Persönlichkeitsmodelle den Charakter eines Menschen niemals zu 100% erfassen, aber sie bieten einen guten Einblick in die wichtigsten Triebfedern unseres Verhaltens. Einige Persönlichkeitsmodelle gehören deshalb zu den besten Trainingsmethoden für emotionale Intelligenz und verbessern damit auch die Empathie. In diesem Artikel stelle ich Ihnen die 6 beliebtesten Persönlichkeitsmodelle Deutschlands vor:

  • DISG
  • Enneagramm
  • Myers-Briggs-Typindikator (MBTI)
  • Reiss-Profile
  • Big Five
  • Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell (Humm)

Grundsätzlich lassen sich Persönlichkeitsmodelle in 2 Klassen unterscheiden. In der 1. Klasse stehen Persönlichkeitstypen im Mittelpunkt. Bei diesen Persönlichkeitsmodellen ist man grundsätzlich nur einem Persönlichkeitstypen zugeordnet, auch wenn Mischformen in begrenztem Maße möglich sind. Vorteil dieser Persönlichkeitsmodelle ist, dass gut ausgewählte Typen einen recht hohen Wiedererkennungswert haben, weshalb sich diese Persönlichkeitsmodelle schnell lernen und anwenden lassen. Sie eignen sich deshalb eher zur Live-Einschätzung fremder Menschen, als Persönlichkeitsmodelle der 2. Klasse. Nachteil ist aber, dass sie zu Schubladendenken verleiten. Beispiele für Persönlichkeitsmodelle der 1. Klasse sind das DISG und das Enneagramm.

Persönlichkeitsmodelle der 2. Klasse konzentrieren sich auf Skalen. Diese Persönlichkeitsmodelle gehen davon aus, dass es eine bestimmte Anzahl Dimensionen gibt, die wichtig ist, um den menschlichen Charakter zu beschreiben. Hier geht es nicht um die Frage ob, sondern darum, wie stark der Einfluss einer Skala auf die Persönlichkeit ist. Diese Persönlichkeitsmodelle sind wesentlich flexibler und viel besser geeignet, um die gesamte Bandbreite unterschiedlicher Charaktere zu erfassen. Aus diesem Grund eignen sie sich besser für Persönlichkeitstests. Dafür ist es meist schwieriger, diese Persönlichkeitsmodelle im Alltag einzusetzen. Zu diesen Persönlichkeitsmodellen zählen z.B. die Big Five oder das Reiss-Profile.

Der MBTI und das Humm sind als Mischformen eher untypisch. Beim MBTI sind die Persönlichkeitstypen Kombinationen von Extremausprägungen der zugrunde liegenden Skalen. Die Skalen des Humm sind zugleich auch Persönlichkeitstypen.

Aber genug der Einleitung. Kommen wir nun zu den 6 besten Persönlichkeitsmodellen Deutschlands.

DISG

Das DISG geht zurück auf Arbeiten von William Moulton Marston. Er kombinierte inzwischen überholte Ansätze aus dem Bereich der Physiologie mit der Analyse einer Vielzahl von verhaltensauffälligen Kindern und Gefängnisinsassen. Basierend auf diesen Forschungen entwickelte John George Geier den Persönlichkeitstest, der das DISG begründete. Das DISG ist mit lediglich 4 Typen eines der einfachsten Persönlichkeitsmodelle. Die 4 Persönlichkeitstypen sind:

  • Dominant: egozentrisch, direkt, kühn, herrisch, anspruchsvoll, energisch
  • Initiativ: enthusiastisch, gesellig, beredsam, impulsiv, emotional
  • Stetig: passiv, geduldig, loyal, voraussagbar, teamfähig und gelassen
  • Gewissenhaft: perfektionistisch, diplomatisch, systematisch, konventionell, höflich

Das DISG zeichnet sich vor allem durch seine Einfachheit aus. Es lässt sich leicht lernen und man erreicht schnell eine Sensibilität dafür, dass andere völlig anders ticken können, als man selbst. Diese Einfachheit ist jedoch auch ein Nachteil. Da das DISG in seiner Grundform nur 4 Persönlichkeitstypen unterscheidet, wird es der Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, von den hier vorgestellten Persönlichkeitsmodellen, am wenigsten gerecht. Dadurch besteht beim DISG die Gefahr, Schubladendenken zu fördern.

Auch der DISG-Persönlichkeitstest ist fast allen anderen unterlegen. Ein gravierender Nachteil ist, dass es sich um einen ipsativen Persönlichkeitstest handelt. Dies bedeutet, dass er lediglich Anteile innerhalb Ihrer eigenen Persönlichkeit misst, nicht jedoch, wo Sie im Vergleich zu anderen stehen. Ein ipsativer Persönlichkeitstest kann also feststellen, dass Sie der dominante Typ sind. Er misst jedoch nicht, ob Sie dominanter als Mitbewerber X oder dominanter als 85% der Bevölkerung sind.

Enneagramm

Außer einem Persönlichkeitsmodell ist das Enneagramm vor allem auch ein Weg zur persönlichen Weiterentwicklung, der stark von Spiritualität, Esoterik und teilweise auch Religiosität geprägt ist. Die Wurzeln des Enneagramms könnten bis in die Antike zurückreichen. Gesicherte Quellen über den Ursprung des Enneagramms existieren jedoch nicht. Am treffendsten ist wohl die Formulierung, dass das Enneagramm auf die Lebenserfahrungen vieler Generationen zurückgeht. Im Enneagramm werden 9 Persönlichkeitstypen unterschieden:

  • Typ 1 (Ordnungshüter): zuverlässig, diszipliniert, ernst, perfektionistisch, pedantisch
  • Typ 2 (Helfer): bemutternd, will gebraucht werden, Stolz, strahlt Wärme aus
  • Typ 3 (Macher): erfolgsorientiert, eitel, flexibel, schreckt auch vor Lügen nicht zurück
  • Typ 4 (Romantiker): Einzelgänger, individualistisch, mitfühlend, sensibel, kreativ
  • Typ 5 (Denker): analytisch, sachlich, faktenorientiert, ruhig, menschenscheu
  • Typ 6 (Skeptiker): ängstlich, vorsichtig, treu, Entscheidungen treffen fällt schwer
  • Typ 7 (Optimist): Spaßvogel, offen für Neues, ungeduldig, führt Dinge nicht zu Ende
  • Typ 8 (Anführer): machtbewusst, kämpferisch, selbstbewusst, nutzt Schwächen anderer aus
  • Typ 9 (Vermittler): empathisch, geduldig, beständig, träge, konfliktscheu

Im Enneagramm ist man grundsätzlich nur einem dieser Typen zugeordnet. Dieser kann noch von einem weiteren, einem so genannten „Flügel“, beeinflusst werden. Zudem lassen sich die Typen noch in Untertypen unterteilen. Eine Mischung der Typen ist jedoch nicht vorgesehen. Im Gegenteil, das Enneagramm drängt von allen Persönlichkeitsmodellen am stärksten dazu, sich einem einzigen Persönlichkeitstypen zuzuordnen.

Das Einschätzen anderer Menschen ist mit dem Enneagramm eher schwierig. Zum einen sind die meisten Seminare und Bücher nicht auf diese Form der Anwendung ausgerichtet. Zum anderen lässt sich das Enneagramm aber auch in viele Richtungen „drehen und wenden“. Dem Enneagramm zufolge verhält sich z.B. ein Anführer bei Stress wie ein Denker, während er bei Entspannung wie ein Helfer agiert.

Zur Selbsterkenntnis gibt es Persönlichkeitsmodelle, die Ihren Charakter differenzierter erfassen können. Das gute am Enneagramm ist jedoch, dass es sehr umfangreiche Hinweise gibt, wie die einzelnen Typen an sich selbst arbeiten und sich „erlösen“ können. Wenn Sie die 1-Typen-These nicht so streng auslegen, kann Ihnen das Enneagramm einige interessante Denkanstöße liefern.

Myers-Briggs-Typindikator (MBTI)

Beim Myers-Briggs-Typindikator (MBTI) wird die Persönlichkeit eines Menschen durch 4 verschiedene Skalen beschrieben. Diese gehen großteils auf die Berufserfahrung des Psychologen Carl Gustav Jung zurück. Begründet wurde der MBTI durch Katherine Cook Briggs und Isabel Myers, die den entsprechenden Persönlichkeitstest entwickelten und die letzte Skala hinzufügten, beobachten vs. beurteilen.

Beim MBTI ist man bei jeder dieser Skalen einem Extrem zugeordnet, so dass sich insgesamt 16 Kombinationsmöglichkeiten bzw. Persönlichkeitstypen ergeben. Dies sind die 4 Skalen und ihre Extremausprägungen:

  • Wie regenerieren Sie sich? Sind Sie introvertiert oder extrovertiert?
  • Wie nehmen Sie Informationen auf? Über Sensorik oder Intuition?
  • Wie treffen Sie Entscheidungen? Durch Nachdenken oder hören Sie auf Ihr Gefühl?
  • Wie betrachten Sie Ihre Umwelt? Beobachten Sie oder beurteilen Sie?

Der große Vorteil des MBTI ist seine hohe Bekanntheit. Vor allem im Firmenkundenbereich ist er eins der bekanntesten Persönlichkeitsmodelle. Mit 16 Persönlichkeitstypen ermöglicht der MBTI auch eine feinere Differenzierung, als z.B. das DISG.

Leider steht diese zusätzliche Ausdifferenziertheit jedoch in keinem angemessenen Verhältnis zu seiner Komplexität. Ein alltagstauglicher Einsatz des MBTI ist für Laien oft zu kompliziert. Dies liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass sich der MBTI nicht auf die 4 Skalen, sondern auf die 16 Persönlichkeitstypen konzentriert, was mehrere Nachteile hat.

Zunächst einmal erschwert die relativ hohe Anzahl von 16 unterschiedlichen Persönlichkeitstypen das Erlernen des Persönlichkeitsmodells. Außerdem müssen Sie sich bzw. Ihr Gegenüber beim MBTI immer einer der beiden Extremausprägungen zuordnen. Wenn Sie sich bei mindestens einer der 4 Skalen im mittleren Bereich einschätzen, können Sie keinem der 16 Persönlichkeitstypen eindeutig zugeordnet werden. Als Notlösung würde man Sie dann als Mischtyp aus mehreren Persönlichkeitstypen beschreiben, was den Einsatz des MBTI jedoch noch weiter verkompliziert.

Weil Sie der MBTI zwingt, sich den Extremen zuzuordnen, er keine Abstufungen zulässt und den meisten für eine Live-Anwendung zu komplex ist, ist er sowohl für Persönlichkeitstest als auch zur Einschätzung anderer weniger gut geeignet, als andere Persönlichkeitsmodelle.

Reiss-Profile

Das Reiss-Profile geht auf Prof. Steven Reiss zurück. Zusammen mit anderen erstellte Reiss eine Liste mit verschiedenen Motiven, Werten und Zielen. Im Anschluss wurden mehrere hundert Versuchsteilnehmer gefragt, wie wichtig die einzelnen Motivatoren für sie sind. Aus diesen Versuchsdaten wurden mit der Faktorenanalyse anschließend 16 Faktoren extrahiert, die „16 Lebensmotive“:

Rache Beziehungen Idealismus Neugier
Macht Unabhängigkeit Familie Körperliche Aktivität
Status Ordnung Ruhe Eros
Anerkennung Ehre Sparen Essen

 
Grundidee des Reiss-Profile ist, dass die Einstellung eines Menschen zu diesen 16 Lebensmotiven seine Persönlichkeit definiert. Dabei werden diese als Skalen untersucht, was bedeutet, dass jeder Mensch alle 16 Lebensmotive hat. Verschiedenheiten im Charakter werden durch die unterschiedliche Wichtigkeit der einzelnen Motive und deren individuelle Kombination beschrieben.

Durch die recht große Anzahl von 16 frei kombinierbaren Dimensionen, lassen sich auch sehr feine Unterschiede feststellen. Beim Reiss-Profile erhalten Sie ein stärker ausdifferenziertes Bild Ihrer Persönlichkeit, als bei anderen Persönlichkeitsmodellen. Die einzelnen Motive sind gut gewählt, so dass sich jeder wiedererkennen und Anknüpfungspunkte für seine eigene Weiterentwicklung finden kann.

Beim Selbsttest eine Stärke, macht es die hohe Ausdifferenziertheit allerdings fast unmöglich, das Reiss-Profile zur Einschätzung anderer zu verwenden. Zunächst einmal ist es, wie beim MBTI, recht mühselig, alle 16 Faktoren zu lernen. Für den optimalen Umgang mit einem konkreten Gegenüber müssten Sie jedoch nicht nur die einzelnen Lebensmotive kennen und erkennen, sondern auch sämtliche Kombinationen. Zudem müssten Sie genau wissen, wie sich die einzelnen Lebensmotive gegenseitig beeinflussen, um angemessen reagieren zu können.

Außerdem ist nicht bekannt, wie Reiss seine Lebensmotive genau ermittelt hat. Obwohl die Motive einen abschließenden, vollständigen Eindruck machen, handelt es sich hierbei nicht um die 16 ultimativen Lebensmotive. Es könnten andere Motive existieren, die wichtiger sind. Mir würde spontan z.B. Sicherheit einfallen. Außerdem macht das Persönlichkeitsmodell keine Aussagen darüber, ob die Einstellung zu bestimmten Lebensmotiven (z.B. Familie) eine grundsätzlich höhere Bedeutung innerhalb des Motiv-Mixes hat, als die zu anderen (z.B. Ruhe).

Big Five

Die Big Five lassen sich nicht auf einen einzigen Urherber zurückführen. Es war eine ganze Reihe von Wissenschaftlern, die Ansätze zur Entstehung der Big Five geliefert haben, diese aufgriffen, um das Persönlichkeitsmodell weiterzuentwickeln oder es durch aufwändige Validierungsstudien bestätigten.

Die Big Five basieren auf einem lexikalischen Ansatz. Die Idee ist simpel. Für alles, was geeignet ist, zwischenmenschliche Unterschiede zu bezeichnen, müsste auch ein entsprechendes Wort existieren. Letztlich wurden 4.500 Adjektive, die sich zur Beschreibung langfristig stabiler Charaktereigenschaften eigneten, ausgewählt und mithilfe komplexer, mathematischer Verfahren zu den Big Five verdichtet. Jede dieser 5 Dimensionen lässt sich wiederum in 6 Facetten untergliedern:

  • Neurotizismus (emotionale Labilität): Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Pessimismus, Befangenheit, Impulsivität, Verletzlichkeit
  • Extraversion: Freundlichkeit, Geselligkeit, Durchsetzungsfähigkeit, Aktivität, Abenteuerlust, Heiterkeit
  • Offenheit für Erfahrungen: Fantasie, Ästhetik, Emotionalität, Neugier, Intellektualismus, Liberalismus
  • Verträglichkeit: Vertrauen, Ehrlichkeit, Altruismus, Entgegenkommen, Bescheidenheit, Mitgefühl
  • Gewissenhaftigkeit: Kompetenz, Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein, Leistungsstreben, Selbstdisziplin, Sorgfalt

Von allen Persönlichkeitsmodellen sind die Big Five am intensivsten erforscht und werden wissenschaftlichen Ansprüchen am besten gerecht. Zum einen bedeutet dies, dass die Big Five am genauesten messen, wie sich Ihr Charakter von anderen unterscheidet. Zum anderen führt die herausragend hohe Akzeptanz unter Wissenschaftlern dazu, dass Sie bei akademischen Arbeiten nur mit den Big Five auf der sicheren Seite sind.

Aber auch die Big Five haben Nachteile, die vor allem dadurch bedingt sind, dass wenig über die reinen Testergebnisse hinausführt. So gibt es z.B. keine konkreten Verbesserungshinweise, die Ihnen zeigen, wie Sie mit Ihrem Charakterprofil am besten umgehen könnten.

In der Regel werden die Skalen außerdem isoliert betrachtet. Die einzelnen Dimensionen Ihres Charakters werden zwar sehr exakt gemessen, oft jedoch nicht zu einem ganzheitlichen Bild zusammengesetzt. Die gegenseitige Beeinflussung zweier Dimensionen wird oft nicht ausreichend berücksichtigt.

Vielen Menschen widerstrebt außerdem, dass bei den Skalen eine gewisse Bewertung mitschwimmt. Beispielsweise werden hohe Gewissenhaftigkeit oder geringer Neurotizismus allgemein positiver beurteilt. Dadurch wird das Gefühl vermittelt, bestimmte Charaktere seien wertvoller als andere.

Auch zur Verbesserung der emotionalen Intelligenz existieren geeignetere Persönlichkeitsmodelle als die Big Five. Dies liegt zum einen an der bereits erwähnten mangelnden Berücksichtung von Korrelationseffekten unter den 5 Dimensionen. Zum anderen aber auch daran, dass die Big Five stark auf den Persönlichkeitstest ausgerichtet sind und es kaum Heuristiken gibt, die eine vereinfachte Anwendung im Alltag ermöglichen.

Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell (Humm)

Die Entstehung des Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodells geht auf Aaron Rosanoffs Persönlichkeitstheorie zurück. Basierend auf seinen Ergebnissen, entwickelten Doncaster Humm und Guy Wadsworth die 7 Persönlichkeitstypen des Humm:

  • Mover: offen, optimistisch, kommunikativ, ablenkbar, impulsiv
  • Doublechecker: familienorientiert, risikoscheu, Entscheidungen treffen fällt schwer
  • Politician: durchsetzungsstark, kann gut argumentieren, direkt, konfrontativ
  • Hustler: risikofreudig, kann gut verhandeln, flexibel
  • Artist: kreativ, visionär, schüchtern, empathisch, prinzipientreu
  • Engineer: strukturiert, detailorientiert, sachlich, perfektionistisch
  • Normal: konservativ, vernünftig, diszipliniert, ordentlich

Wie die Big Five und das Reiss-Profile, gehört auch das Humm zu den Persönlichkeitsmodellen der 2. Klasse. Auch beim Humm geht es also nicht um die Frage ob, sondern darum, wie sehr die einzelnen Persönlichkeitstypen Ihren Charakter beeinflussen.

Das Humm wurde zunächst für Persönlichkeitstests entwickelt, konnte sich hierfür jedoch nur in Australien etablieren. In Deutschland hat der Test praktisch keine Bedeutung. Den Original-Persönlichkeitstest auf Englisch finden Sie in der Erstveröffentlichung zum Humm.

Das Besondere beim Humm ist, dass die einzelnen Persönlichkeitstypen zugleich auch Skalen sind. Es ist das einzige Persönlichkeitsmodell, das leicht lern- und erkennbare Typen (1. Klasse) mit der Ausdifferenziertheit von Skalen-Modellen (2. Klasse) kombiniert. Es ist viel differenzierter als das DISG, der MBTI und das Enneagramm. In diesem Bereich unterliegt das Humm zwar den Big Five und dem Reiss-Profile, lässt sich im Gegensatz zu diesen Persönlichkeitsmodellen aber auch durch psychologische Laien und ohne schriftliche Persönlichkeitstests anwenden.

Zudem ist es stark darauf ausgerichtet, die einzelnen Persönlichkeitstypen anhand von leicht beobachtbaren Merkmalen, wie Kleidung, Hobbys, Berufswahl, Sprachstil, etc. zu erkennen, so dass man schon nach wenigen Minuten Gespräch zu einem ersten Zwischenfazit in seiner Charakteranalyse kommen kann.

Das Humm ist außerdem das einzige Persönlichkeitsmodell, das Menschen auch ohne psychologisches Vorwissen in die Lage versetzt, psychopathische Charakterzüge zu erkennen. Das Humm kann wissenschaftliche Tests hierzu natürlich nicht ersetzen, liefert aber Hinweise, die für jeden erkennbar sind. Dies ist sehr nützlich, da Psychopathen Ihre eigenen Interessen gekonnt verbergen, sich verstellen und auch vor Manipulationen nicht zurückschrecken.

Das Humm ist also ein Persönlichkeitsmodell für das nächste Gespräch. Sein besonderer Vorteil ist, dass es eine relativ hohe Differenziertheit mit leichter Lern- und Anwendbarkeit kombiniert. Im Bereich der Persönlichkeitstests ist es hingegen weniger ausgereift, als andere Persönlichkeitsmodelle.

Fazit Persönlichkeitsmodelle

  • Das DISG ist das einfachste Persönlichkeitsmodell und lässt sich sehr schnell lernen
  • Das Enneagramm hat die längste Tradition und bietet sehr viele Denkanstöße
  • Der MBTI ist sehr bekannt und weit verbreitet
  • Das Reiss-Profile bietet einen anschaulichen Einblick in seine eigene Motivlage
  • Die Big Five sind das Persönlichkeitsmodell, das wissenschaftlichen Ansprüchen am besten gerecht wird
  • Das Humm ist am besten geeignet, um andere Menschen mit einer angemessen Differenziertheit, schnell und zuverlässig einzuschätzen

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  • Lia Lenzing 13. Juli 2015, 12:40

    Kennen Sie auch das Lifo Modell?

    Reply
  • Carlo Düllings 13. Juli 2015, 17:41

    Die Lifo-Methode ist mir bekannt, aber meiner Meinung nach nicht empfehlenswert. Bei der Lifo-Methode gibt es 4 Typen, die mehr oder weniger den 4 DISG-Typen entsprechen. Auch die Vor- und Nachteile beider Modelle sind deshalb ziemlich ähnlich: leichte Lernbarkeit, aber Gefahr von Schubladendenken und ein unterlegener Persönlichkeitstest (wie im Artikel beschrieben, sind andere Persönlichkeitstests wissenschaftlich besser fundiert oder bieten einen genaueren Einblick in die eigene Persönlichkeitsstruktur).

    Ein zusätzlicher Nachteil der Lifo-Methode ist, dass nur das spezielle Verhalten in einer konkreten Situation oder Rolle untersucht wird. Sie erreichen dadurch kein langfristig stabiles und vor allem kein ganzheitliches Verständnis Ihres Gegenübers. Das Humm ist hierzu ein gutes Gegenbeispiel. Hier geht es um Temperamente, also um langfristig konstante Neigungen zu bestimmten Denk- und Verhaltensweisen.

    Dazu ein konkretes Beispiel: Der Humm-Mischtyp Hustler-Doublechecker verhält sich innerhalb der Familie hilfsbereit, aufopferungsvoll und loyal. Gegenüber Fremden oder flüchtigen Bekannten achtet er vor allem auf seinen eigenen Vorteil und verhandelt knallhart. Nach der Lifo-Methode würde für die Familie rauskommen „unterstützend/hergebend“ und im Umgang mit Fremden „bestimmend/übernehmend“.

    Bei der Lifo-Methode wird aber nicht erklärt, warum er sich in der einen Gruppe so und in der anderen Gruppe anders verhält. Die beiden Verhaltensweisen stehen isoliert nebeneinander und werden nicht zusammengeführt. Bei der Lifo-Methode müssen Sie also für jede Situation neu analysieren, mit welchem Verhaltensstil Sie es zu tun haben. Beim Humm erhalten Sie hingegen ein Gesamtbild, das Sie auf jede Situation flexibel anwenden können. So lässt sich das Verhalten einer Person mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit auch für Situationen vorhersagen, in denen Sie sie noch nicht erlebt haben.

    Reply
  • Ingrid Weber 31. Oktober 2015, 08:35

    Lieber Carlo,
    wie verhält man sich erfolgsorientiert gegenüber einem Hustler-Doublechecker-Mischtyp? (vordergründig im privaten Bereich, nicht auf Geschäftsbasis.)
    Vielen Dank im Voraus für Deine Antwort und herzliche Grüße!

    Reply
  • Carlo Düllings 4. November 2015, 15:08

    Hallo Ingrid,

    welches Verhalten im Umgang mit anderen Erfolg verspricht, hängt von sehr vielen Aspekten ab und lässt sich pauschal nur schwer beantworten. Dies gilt für Hustler-Doublechecker sogar noch verstärkt, da sie sich sehr flexibel auf andere Menschen einstellen können und ihr Verhalten an ihr Gegenüber anpassen. Das Wichtigste, um mit einem Hustler-Doublechecker gut zurechtzukommen, ist zunächst einmal herauszufinden, wie er zu Dir steht.

    Sieht er Dich in der Kategorie „Familie & enge Freunde“, ist der Umgang mit ihm in der Regel eher ein scheinbares Problem. In einem solchen Fall solltest Du wissen, dass er zwar hier und da nicht ganz streng bei der Wahrheit bleibt und vielleicht auch mal ein bisschen rumtrickst, aber dass er Dich nie im Stich lassen würde und sich stark für Dich einsetzt – auch ohne unmittelbare Gegenleistung. Bist Du aber in der Kategorie „fremde Personen & flüchtige Bekannte“, orientiert sich sein Verhalten stark an seinem eigenen Nutzen (und an dem der Mitglieder aus der Gruppe „Familie & enge Freunde“), mehr oder weniger unabhängig davon, welche Konsequenzen seine Handlungen oder Äußerungen für Dich haben.

    Ansonsten solltest Du wissen, dass der Doublechecker oft sehr unsicher ist und der Hustler gerne zu den VIPs gehören möchte. Beides verstärkt sich gegenseitig, so dass der Hustler-Doublechecker-Mischtyp ein großes Bedürfnis nach Anerkennung hat. Dabei wünscht sich ein Hustler-Doublechecker von „Familie & enge Freunde“ vor allem emotionale Anteilnahme bei seinen Problemen. Bei „fremde Personen & flüchtige Bekannte“ steht sein Status, vor allem sein materieller und sozialer Erfolg (Cash & Connections) im Vordergrund.

    Wenn Dir ein Hustler-Doublechecker ausführlich von seinen Problemen erzählt, gehörst Du vermutlich zu „Familie & enge Freunde“. Läuft nach Aussage des Hustler-Doublecheckers immer alles super toll und es existieren keine Probleme, sondern nur Erfolge, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine geschönte Version, die erzählt wird, um einen guten Eindruck zu machen, so dass Du (zumindest noch) in der sehr oberflächlich behandelten „fremde Personen & flüchtige Bekannte“ Kategorie bist.

    Wie gesagt, ist der Umgang mit einem Hustler-Doublechecker in der Regel unproblematisch, wenn Du in der Familien-Kategorie bist. Bist Du es nicht, ist das Wichtigste, dass Du Deine Grenzen klarmachst und durchsetzt, da er Dich sonst nicht mehr respektieren wird. Weitere Hinweise hierzu findest Du in diesem Webinar-Ausschnitt, der sich ausführlich mit dem Hustler beschäftigt:

    http://www.empathie-lernen.de/hustler-webinar

    Hoffe, dass hilft und viele Grüße zurück

    Carlo Düllings

    Reply
  • Siegfried Glaser 21. Dezember 2015, 13:24

    Hallo Herr Düllings,

    danke für diese tolle Zusammenfassung.

    Mir wurde vor kurzem der “Antreibertest” empfohlen um das Zusammenspiel unseres Teams zu hinterfragen. Nach einer kurzen Internetrecherche stehe ich diesem System eher skeptisch gegenüber. Kennen Sie auch diesen Test? Falls ja würde ich mich über Ihre Meinung dazu freuen.

    Liebe Grüße
    Siegfried Glaser

    Reply
  • Carlo Düllings 3. Januar 2016, 20:19

    Hallo Herr Glaser,

    freut mich, dass Ihnen meine Zusammenfassung gefällt. Beim Antreibertest würde ich Ihnen insgesamt zustimmen, da es einige Gründe gibt, warum andere Modelle besser geeignet sind. Was mich persönlich stark stört ist, dass die Art und Weise, wie jemand seine Arbeit verrichten will, im Zentrum steht und dass die anderen Dimensionen (z.B. Sozialverhalten oder Kommunikationsweisen) dann daraus abgeleitet werden.

    Meiner Meinung nach sind andere Aspekte wesentlich besser geeignet, um charakterliche Unterschiede und Bedürfnisse zu beschreiben. Beim Humm geht es z.B. um das Temperament, eine langfristige Neigung zu bestimmten Denk-, Fühl-, und Verhaltensweisen. Dadurch können Sie das Modell immer anwenden, unabhängig von Situation und sozialer Konstellation. Es ist also auch eine Frage der Ganzheitlichkeit. Hinzu kommt, dass Sie beim Humm keinen Persönlichkeitstest brauchen, sondern dass Sie lernen, die einzelnen Persönlichkeitstypen im Alltag selbst zu erkennen, was im nächsten Schritt natürlich auch einen besseren Umgang mit Ihrem jeweiligen Gegenüber ermöglicht.

    Wenn Sie Testverfahren hingegen definitiv einsetzen möchten, würde ich Ihnen zu wissenschaftlich genaueren oder wenigstens zu stärker ausdifferenzierten Persönlichkeitsmodellen raten. Hierbei haben Sie dann den Vorteil einer exakteren Messung des Charakters Ihrer Mitarbeiter (natürlich nur, wenn diese auch kooperieren!). In der Praxis führen Persönlichkeitstests oft jedoch nur zu einer Momentaufnahme. Kunden von mir, die in der Vergangenheit andere Persönlichkeitstests durchgeführt hatten, berichten mir häufig, dass dieser kurzfristig zwar zu interessanten Einblicken geführt hat, aber dass langfristig nur wenig hängen geblieben ist. Beim Humm ist dies anders, da Sie das Einschätzen und den Umgang mit anderen im Seminar oder Coaching erlernen und es auch danach, mit Hilfe eines Trainingsplans, weiter einüben.

    Wenn es Ihnen also neben dem Erkennen von über- bzw. unterrepräsentierten Persönlichkeitstypen, auch darum geht, sich besser auf andere Teammitglieder einzustellen, z.B. in den Bereichen Konfliktmanagement, Motivation, Bewerberauswahl (und auch, aber eben nicht nur), Delegation von Arbeit, sollten Sie besser selbst lernen, Ihre Mannschaft lesen zu können und dies nicht an einen Persönlichkeitstest „auslagern“.

    Viele Grüße

    Carlo Düllings

    Reply
  • Waldemar 26. Juli 2016, 10:40

    Mir persönlich fehlt der BIP-Test in der Aufstellung. Ist ähnlich weit anerkannt wie die Big Five. Auch das HBDI-Modell würde ich in die Übersicht aufnehmen, da ein komplett anderer Ansatz verfolgt wird.

    Reply
  • Carlo Düllings 29. Juli 2016, 17:04

    Irgendwo muss man leider eine Grenze ziehen, damit der Artikel nicht zu lang wird. Aber damit ich sehe, welche anderen Persönlichkeitsmodelle für meine Leser von Interesse sind und damit ich diese kurz ergänzen kann, gibt’s ja hier die Kommentare.

    BIP ist die Abkürzung für „Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung“. Das BIP wird eigentlich nur als Persönlichkeitstest eingesetzt, da es für Live-Einschätzungen, z.B. während eines Gesprächs, viel zu komplex ist. Das wissenschaftliche Fundament des Persönlichkeitstests ist gut, auch wenn die Big Five trotzdem eindeutig besser erforscht und validiert sind. Wie der Name schon sagt, bietet das BIP nur eine berufsbezogene Einschätzung der Persönlichkeit, kein ganzheitliches Persönlichkeitsprofil. Zudem wird das BIP vor allem im Personalbereich zur Beurteilung von Bewerbern und Mitarbeitern verwendet. Eine Wertung der einzelnen Dimensionen/Skalen ist beim BIP deshalb gewollt, was jedoch zu der Sichtweise führt, dass einige Menschen besser bzw. schlechter seien als andere.

    Dass der HBDI („Herrmann Brain Dominance Instrument“ oder auf Deutsch: HDI „Herrmann Dominanz Instrument“) auf einem ganz anderen Ansatz basiert, ist leider ein Marketing-Märchen. Zur Entstehungszeit des HBDI wurden neue Erkenntnisse über unser Gehirn gemacht. Es wurde zum einen in Hirnstamm („Reptiliengehirn“), limbisches System (Gefühle) und Neocortex (Ratio) unterschieden und zum anderen wurden die Unterschiede von rechter und linker Gehirnhälfte untersucht. Ned Herrmann wollte aus diesen neuen Ergebnissen ein Persönlichkeitsmodell entwickeln. Er stellte ein 4-Typen-Modell auf, bei dem die Charaktereigenschaften der Typen mit den mutmaßlichen Denkweisen der einzelnen Hirnbereiche in Verbindung gebracht wurden. Die These war, dass die Dominanz eines bestimmten Hirnareals auch zur Dominanz bestimmter Verhaltensweisen führt. Inzwischen hat sich unser Gehirn jedoch als deutlich komplexer erwiesen, als damals noch angenommen. Es existiert kein Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitstypen des HBDI und der Dominanz bestimmter Hirnareale. Auch die Anbieter des HBDI sprechen inzwischen nur noch von einem „metaphorischen“ Zusammenhang.

    Während das BIP im Kontext beruflicher Auswahl und Weiterentwicklung durchaus sinnvoll sein kann, kann ich für das HBDI leider keine Empfehlung aussprechen. Als Persönlichkeitstest ist das HBDI deutlich weniger aussagekräftig, als andere hier genannte Modelle (Big Five, Reiss-Profile, BIP). Für den anwendungsorientierten Einsatz in der Praxis ist das HBDI zwar besser geeignet, als z.B. das DISG oder die Lifo-Methode, jedoch ist es hier dem Humm unterlegen. Das Humm bietet mit 7 Persönlichkeitstypen eine noch feinere Differenzierung menschlicher Denk- und Verhaltensweisen als das HBDI. Außerdem entstammen die Persönlichkeitstypen beim Humm einer umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchung. Die Typen des HBDI hingegen entstanden aufgrund einer inzwischen widerlegten Vermutung über die Funktionsweise des Gehirns. Zudem müssten die Typen des HBDI an Verhaltensweisen abgelesen werden, wohingegen beim Humm zusätzliche Identifikationsmerkmale wie Kleidung, Sprache, Büro- und Wohnungseinrichtung zur Einschätzung hinzugezogen werden können.

    Reply
  • Frühling 26. September 2016, 19:57

    Hallo, mich freut die Zusammenstellung hier. Sie kennen sich offensichtlich mit der Materie aus. Ich befasse mich gerade aufgrund meines Studiums mit der Persönlichkeitsinteraktionstherapie (PSI-Theorie) von Julius Kuhl. Ich habe aber bisher leider keinerlei Einschätzung von anderen als ihm selbst und seinem Team gefunden. Nachdem ich den Artikel hier gelesen habe, dachte ich, dass ich bei Ihnen vielleicht Glück habe und Sie vielleicht die Theorie einschätzen und ins Verhältnis bringen können. Würde mich wirklich sehr interessieren und freuen.

    Reply
  • Carlo Düllings 30. September 2016, 17:44

    Die PSI-Theorie ist meiner Meinung nach ein missglückter versuch Komplexität und Einfachheit zu vereinen. Zunächst einmal irritiert, dass es eigentlich 3 Persönlichkeitsmodelle sind. Zunächst werden 7 Systeme (Temperament, Affekte, Motivation, Selbststeuerung, einfache Kognition, höhere Kognition und emotionales Coping) unterschieden. Danach gibt es 4 Makrosysteme (Ich, Selbst, Objekterkennung, Intuitive Verhaltenssteuerung) und zu guter Letzt 8 Persönlichkeitstypen. Diese 8 Persönlichkeitstypen werden danach unterschieden, wie sie bei positiven und negativen Affekten agieren. Jeweils entweder unterdrücken, ausleben oder was dazwischen. Letztlich verfallen die 8 Persönlichkeitstypen also schlich in 2 Dimensionen: Umgang mit negativen Affekten und Umgang mit positiven Affekten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da Affektregulation der Forschungsschwerpunkt von Julius Kuhl ist.

    Aber wenn es doch nur um den Umgang mit Affekten geht, warum wird auf der Systemebene dann noch in Motivation, Temperament, Selbststeuerung, etc. unterschieden, wenn es letztlich doch alles in den einen Faktor „Umgang mit Affekten“ einfließt? Und auch die Makroebene macht es schlicht komplexer. Sie ergibt sich, weil die beiden Systeme „einfache Kognition“ und „höhere Kognition“ angeblich mit den beiden Modi „analytisch“ und „intuitiv“ arbeiten. 2 Modi mal 2 Systeme, fertig sind die 4 Makrosysteme. Auch diese gehen dann wieder in die 2 finalen Dimensionen ein, denn jedes Makrosystem steht in Verbindung mit einer Modulationsannahme, so dass sich bei jedem Makrosystem letztlich wieder immer nur ein bestimmtes Affektverhalten einstellt (z.B. Ich = einen positiven Affekt unterdrücken, Objekterkennung = einen negativen Affekt ausleben)

    Auch die einzelnen Ebenen sind auf den ersten Blick nicht sonderlich überzeugend. Zur intuitiven Verhaltenssteuerung gehören die Attribute „Aufgehen im Hier und Jetzt“, „innere Leere“ und „Achtsamkeit“. Zugleich wird dieser Bereich als völlig „unbewusst“ charakterisiert. Das widerspricht jeglicher Meditationspraxis. Und warum soll das Überbewusstsein, was im Wesentlichen einer Art Erleuchtung mit den gerade genannten Phänomenen entspricht, in Verbindung mit einer „wertenden Aufmerksamkeit“ stehen? Warum wird auf der Systemebene z.B. Affekt und Temperament unterschieden, obwohl Temperament doch gerade die Neigung beschreibt, bestimmte Affekte häufiger zu empfinden?

    Ich könnte mir vorstellen, dass in den ganzen abstrakt-theoretischen Erläuterungen sehr viel Wissen über Affektverhalten steckt. Wer als Psychologe oder Therapeut einen tiefen wissenschaftlichen Einblick in die Verarbeitung von Affekten gewinnen will, kann mit der PSI-Theorie bestimmt etwas darüber lernen. Vielleicht kann es auch als psychologischer Fragebogen bei Therapiesitzungen eingesetzt werden, was ich allerdings nicht wirklich beurteilen kann. Für den Alltagsgebrauch sind die 2 Affektverhaltensdimensionen aber schlicht zu simpel. In der Praxis reicht es nicht zu sagen: „negativen Affekt ausgelebt, Objekterkennung“, da es ganz unterschiedliche Auswirkungen hat, ob jemand wütend, frustriert, traurig oder enttäuscht ist.

    Fazit: Da ihre komplexe Interpretation zu kompliziert und ihre einfache Interpretation zu simpel ist, ist die PSI-Theorie für die meisten Menschen, Situationen und Anwendungen ungeeignet.

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