Empathie-Definition – was bedeutet Empathie eigentlich genau?

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Empathie ist ein sehr vielschichtiger Begriff – wie ist er definiert?

Empathie-Definitionen gibt es wie Sand am Meer. Das liegt zum einen daran, dass Empathie an sich ein sehr vielschichtiger Begriff mit unterschiedlichen Teilaspekten ist. Zum anderen ist Empathie aber auch in sehr heterogenen Arbeitsfeldern relevant. Abhängig von den Anforderungen, die an die verschiedenen Berufsgruppen gestellt werden, stehen deshalb unterschiedliche Teilbereiche im Mittelpunkt der jeweiligen Empathie-Definition.

In diesem Artikel gehe ich, ausgehend von einer eher allgemeinen Empathie-Definition, auch auf Randbereiche ein, die in manchen Empathie-Definitionen einbezogen und in anderen weggelassen werden. Außerdem grenze ich Empathie gegen verwandte Begriffe ab, wie Mitgefühl, emotionale Intelligenz und Gefühlsansteckung.

Wie wird Empathie definiert?

Jeder hat schon einmal von Empathie gehört und die meisten haben auch eine grobe Vorstellung davon, was Empathie bedeutet. Diese grobe Vorstellung macht ein Gespräch über das Thema Empathie jedoch nicht gerade einfach, da jeder seine eigene Empathie-Definition mitbringt. Für den einen bedeutet Empathie Mitgefühl, für den nächsten bedeutet Empathie, dass man gut verhandeln kann. Die folgende Empathie-Definition fasst all diese unterschiedlichen Empathie-Definitionen zusammen und stellt den kleinsten Nenner dar:

Definition Empathie:
Empathie ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, was in einem anderen vorgeht

Mit unserem kostenlosen Empathie-Test können Sie innerhalb von 2 Minuten herausfinden, wie hoch Ihre eigene Empathie ist.

Kognitive Empathie und emotionale Empathie

Natürlich kann man einen so vielschichtigen Begriff wie Empathie auch anders untergliedern, aber letztlich hat sich vor allem die Unterscheidung in kognitive Empathie und emotionale Empathie durchgesetzt.

Von kognitiver Empathie spricht man, wenn man wahrnimmt, was in einem anderen vorgeht, jedoch ohne dabei die emotionale Reaktion seines Gegenübers zu zeigen. Dazu gehört z.B. auch die Anwendung eines Persönlichkeitsmodells. Zur kognitiven Empathie gehören aber auch unbewusste, intuitive Bestandteile, so lange sie auf rationalen Abläufen im Gehirn basieren. Kognitive Empathie bedeutet also, dass man versteht, was in einem anderen vorgeht.

Von emotionaler Empathie spricht man, wenn man die Gefühle eines anderen annimmt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt das, was auch der andere fühlt. Emotionale Empathie ist also dasselbe wie Mitgefühl, Mitleid oder auch die Teilhabe an der Freude anderer. Emotionale Empathie wird oft auch affektive Empathie genannt.

In einer Verhandlungssituation ist hauptsächlich kognitive Empathie gefragt. Man möchte primär eine möglichst gute Vereinbarung für sich erreichen und nicht aus Mitleid Bedingungen zustimmen, die man nachtäglich als unakzeptabel beurteilt.

In einer Mutter-Kind-Beziehung ist es natürlich interessant, die Gedanken oder sogar die Charaktereigenschaften des Kindes zu erkennen. Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass das Kind emotionale Wärme wahrnimmt und dass die Mutter spürt, was ihr Kind braucht – am besten ohne langes Nachdenken. Hier ist also emotionale Empathie wichtiger.

Oft beeinflussen sich emotionale und kognitive Empathie gegenseitig. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Autismus. Autisten haben nur eine sehr geringe kognitive Empathie, sind aber in der Lage, emotionale Empathie zu empfinden. Ihre großen Defizite, zu verstehen, was in anderen vorgeht (kognitive Empathie), machen es aber oft sehr schwierig, emotionale Empathie zu entwickeln. Mit anderen Worten: da sie nicht wissen, wie sich der andere gerade fühlt, können sie in der Regel oft erst mitfühlen, wenn ihnen explizit erklärt wird, was in der anderen Person gerade vorgeht.

Obwohl sich diese beiden Arten von Empathie also gegenseitig beeinflussen, ist eine genaue Unterscheidung sehr wichtig. Dies gilt insbesondere für die Wahl eines geeigneten Empathietrainings. Da sehr unterschiedliche Trainingsmethoden verfügbar sind, sollte man sich vorher ein Bild davon machen, was man eigentlich genau trainieren möchte. Emotionale Empathie lässt sich durch bestimmte Meditationstechniken verbessern, für kognitive Empathie empfehle ich das Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell.

Andere Empathie-Definitionen

Die oben vorgestellte Empathie-Definition bietet eine gute Grundlage für ein gemeinsames Verständnis des Begriffs. Da diese eher generelle Empathie-Definition aber nicht alle Facetten anspricht, gehe ich jetzt noch einmal auf die unterschiedlichen Schwerpunkte anderer Empathie-Definitionen ein.

Der erste Unterschied bezieht sich auf „was in einem anderen vorgeht“. In der vorgestellten Empathie-Definition ist diese eher vage Formulierung bewusst gewählt, weil es unterschiedliche Ansichten dazu gibt, was alles zur Empathie gehört. Alle sind sich einig, dass Gefühle und Emotionen auf jeden Fall dazu gehören, meist wird zudem auch das Erkennen von Gedanken, Absichten und Persönlichkeitsmerkmalen dazugezählt.

Außerdem möchte ich betonen, dass hier nicht „einem anderen Menschen“ steht, da sich Empathie auf alle Lebewesen erstreckt, auch wenn meist nur von zwischenmenschlichen Beziehungen die Rede ist.

Der nächste Unterschied bezieht sich auf „Fähigkeit“. Alleine schon, dass es die Begriffspaare Empathie und Empathiefähigkeit sowie Einfühlung und Einfühlungsvermögen (übrigens die direkte „Übersetzung“ von Empathie bzw. Empathiefähigkeit) gibt, zeigt, dass sich die Menschen hier uneins sind. Manche sind der Meinung, dass die Fähigkeit ausreicht, um von Empathie zu sprechen. Andere sind der Meinung, dass neben der Fähigkeit auch noch die Bereitschaft vorhanden sein muss, sich in sein Gegenüber einzufühlen.

Dieser Unterschied ist auch durch die Doppelbedeutung von Empathie als Fähigkeit bzw. Charaktereigenschaft auf der einen und Empathie als emotionalen Zustand auf der anderen Seite, bedingt. Die Stärke des emotionalen Zustands Empathie hängt nämlich auch von situativen Faktoren ab, z.B. davon, wie gestresst die Empathie empfindende Person zum entsprechenden Zeitpunkt ist. Diese Faktoren können alltagssprachlich auch mit „Bereitschaft zur Empathie“ beschrieben werden.

Der emotionale Zustand Empathie wird durch die Bereitschaft dazu zwar gesteigert, aber über unbewusst ablaufende Empathie-Prozesse entwickelt er sich auch ohne die Bereitschaft dazu. Auch wenn die empfundene Empathie ohne die aktive Bereitschaft wesentlich geringer ist, wird sie doch nicht völlig abgeblockt, weshalb die Gleichung Empathie = Empathiefähigkeit + Bereitschaft nur teilweise sinnvoll ist.

Der letzte Unterschied bezieht sich auf „wahrnehmen“ und führt zu ähnlich vielen Diskussionen, wie die Unterscheidung zwischen emotionaler und kognitiver Empathie. Manche Menschen sprechen nämlich nicht von Empathie, wenn eine Person weiß, was in einem anderen vorgeht, sondern nur dann, wenn sie auch so handelt, wie es sich die andere Person wünscht. Die empathische Handlung wird allgemein jedoch nicht mehr zur Empathie gezählt, sondern gesondert als prosoziales Verhalten beschrieben.

Empathie und verwandte Begriffe

Neben diesen unterschiedlichen Empathie-Definitionen gibt es nun auch noch verwandte Begriffe, die sich klar von Empathie unterscheiden lassen, die jedoch oft mit Empathie in Verbindung gebracht und teilweise auch verwechselt werden.

Gefühlsansteckung beschreibt einen der emotionalen Empathie ähnlichen Prozess, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern beobachtet werden kann. Sowohl bei Gefühlsansteckung, als auch bei emotionaler Empathie, übernehme ich die Gefühle eines anderen.

Der Unterschied liegt darin, dass man sich bei emotionaler Empathie bewusst ist, dass die Gefühle nicht auf einen selbst, sondern auf jemand anderen zurückgehen. Bei Gefühlsansteckung ist dies nicht der Fall. Man übernimmt zwar die Gefühle eines anderen, bemerkt dies jedoch nicht und agiert so, als ob das Gefühl von einem selbst stammt. Typisches Beispiel hierfür sind die früheren Säuglingsstationen, in denen alle Neugeborenen in einem Zimmer untergebracht waren. Wenn eins der Babys zu schreien anfing, schrien kurz darauf auch die anderen. Ein weiteres Beispiel für Gefühlsansteckung sind Massenpaniken.

Unter Sympathie versteht man die scheinbar grundlose emotionale Zuneigung zwischen zwei Personen. Sympathie entsteht meist unbewusst und äußert sich durch ein unbestimmtes Gefühl von innerer Verwandtschaft, das oft sowohl durch tatsächliche, als auch durch nur vermutete Ähnlichkeiten hervorgerufen wird.

Die Gemeinsamkeit zwischen Empathie und Sympathie liegt in der „gemeinsamen Wellenlänge“, der gemeinsamen emotionalen Verbindung zweier Menschen. Auch die altgriechischen Wurzeln von Empathie und Sympathie, empátheia und sympátheia, zeugen von einer gewissen Ähnlichkeit. Das Präfix sym bedeutet „zusammen mit, gemeinsam, gleichartig“, das Präfix em bedeutet „im, bei, mit“. Pátheia bedeutet Leiden.

Sympathie begünstigt das Auftreten von Empathie, da man eher mit Menschen mitfühlt, die einem sympathisch sind und auch Empathie kann Sympathie beeinflussen, da man eher eine positive Grundeinstellung zu einem anderen aufbaut, wenn man sein Handeln nachvollziehen kann. Trotzdem haben Empathie und Sympathie eine ganz unterschiedliche Bedeutung: Empathie bedeutet Verständnis, Sympathie Zuneigung.

Etwas leichter fällt die Abgrenzung von Empathie und Selbstempathie. Gewissermaßen ein Widerspruch in sich, lässt sich Selbstempathie, so wie es die meisten intuitiv richtig machen, als Empathie mit sich selbst definieren. Empathie beschreibt das Erkennen von dem, was in einem anderen vorgeht. Selbstempathie das Erkennen von dem, was in einem selbst vorgeht. Selbstempathie steht auch in enger Verbindung zu dem Begriff Selbstkompetenz, der neben Selbstempathie aber auch weitere Aspekte beinhaltet, beispielsweise die Fähigkeiten, eigenständig Entscheidungen zu treffen, Lebenspläne zu entwickeln und zu verwirklichen.

Ein anderer Begriff, der häufig mit Empathie in Verbindung gebracht wird ist emotionale Intelligenz. Unter emotionaler Intelligenz versteht man das Erkennen und den adäquaten Umgang mit seinem eigenen Innenleben und dem von anderen. Neben Empathie und Selbstempathie bezieht emotionale Intelligenz zusätzlich also noch den gekonnten Umgang mit diesen Gefühlen, Einstellungen und Charaktereigenschaften ein.

Auch Menschenkenntnisse sind gewissermaßen ein Synonym für Empathie. Ein wichtiger Unterschied ist, dass Menschenkenntnisse nur eine Fähigkeit bezeichnen, Empathie hingegen auch einen emotionalen Zustand. Zudem beziehen sich Menschenkenntnisse tendenziell auch eher auf langfristig stabile Eigenschaften, wie Temperamente oder den Charakter, Empathie bezieht sich eher (aber wie oben geschildert nicht nur) auf kurzfristige Gefühle und Emotionen.

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  • Steffi 27. Dezember 2013, 10:15

    Super, dass dies mal jemand erklärt. In Zeiten von social media geht´s ja leider arg verloren. LG, Steffi

    Reply
  • Gerd Brunner 18. September 2014, 13:32

    Auch eine Supererklärung von Empathie, sollte aber auch im Zusammenhang mit Solidarität gesehen werden, nach Durkheim der sagt ohne Kommunikation keine Solidarität.

    Reply
  • Carlo Düllings 20. September 2014, 16:59

    Hallo Herr Brunner,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Empathie hat natürlich einen starken Einfluss, sowohl auf Kommunikation, als auch auf Solidarität. Mir war jedoch wichtig, die Empathie einmal losgelöst von allen anderen Aspekten zu beschreiben, da viele andere diese Trennungen nicht so klar herausstellen, was dann schnell zu Verwirrungen und Irritationen führen kann.

    Ohne jetzt zu sehr in die Definitionen der anderen Begriffe abgleiten zu wollen… es kann auch ohne direkte Kommunikation Empathie geben, beispielsweise wenn man eine Interaktion zwischen zwei Menschen nur beobachtet. Genauso kann man Solidarität herstellen, ohne dass alle teilnehmenden Personen Empathie füreinander empfinden, beispielsweise über Mechanismen wie Gruppendruck. Dadurch machen mehr Menschen mit, als eigentlich mitmachen möchten.

    Aber wie gesagt, die Empathie ist trotzdem ein sehr wichtiger Faktor in beiden Bereichen. In der Kommunikation wird die intendierte Botschaft viel besser angenommen, wenn Empathie vorhanden ist. Auch Solidarität entsteht viel besser, wenn Empathie zwischen den Personen herrscht. Interessant dabei ist, wie es sich mit der Empathie verhält, wenn man eine Täter-Opfer-Konstellation beobachtet.

    Generell neigt man eher dazu, sich mit dem Opfer zu solidarisieren. Gruppenzugehörigkeit, gemachte Erfahrungen sowie die eigenen Vorstellungen von Gesellschaft, Kultur und Werten, schlicht die tatsächliche oder wahrgenommene Ähnlichkeit der Personen mit einem selbst beeinflussen das aber natürlich recht stark, da all dies die Sympathie stark bestimmt. Sympathie wiederum verstärkt dann auch wieder die Empathie und erhöht die Wahrscheinlichkeit für solidarisches Verhalten.

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 7. Dezember 2014, 17:43

    Sehr geehrter Herr Düllings,

    in Ihrem Abschnitt über die Mutter Kind oder Kind Mutter Beziehung schreiben sie, dass es für ein Kind lebensnotwendig ist, die liebevolle Empathie der Mutter zu spüren. Ich habe versucht, meinen Kindern eine schöne Kindheit zu schenken. Ich war immer für sie da und habe ihre Möglichkeiten zur Entfaltung immer unterstützt. Meine Kinder waren auch beide sehr gefühlvolle Menschen. Leider habe ich im Verlauf der Jahre festgestellt, dass sich die Empathie eines Menschen sehr verändern kann. Besonders trifft das auf meine erwachsene Tochter zu, die selbst in meinen größten Lebensschwierigkeiten immer nur mit gute Ratschlägen für mich aufwarten konnte, mir aber nicht einmal geholfen hat, als es mir selbst sehr schlecht ging. Wenn Ihre Kommentare kostenfrei sind, bitte ich um Benachrichtigung.

    Es grüßt Sie freundlich

    Irene Keidel-Aparcev

    P.S. Eigenartig, dass es kein Gebot gibt, dass man seine Kinder zu ehren hat.

    Reply
  • Carlo Düllings 9. Dezember 2014, 18:12

    Hallo Frau Keidel-Aparcev,

    naturgemäß ist die Verbindung zwischen Mutter und Kind am Anfang sehr intensiv. Während der Schwangerschaft ist die Beeinflussung noch sehr direkt. Wenn die Mutter z.B. gestresst ist, gelangen die entsprechenden Hormone auch in den Organismus des Babys, wo sie Ihre Wirkung entfalten. Auch nach der Geburt ist die Verbindung zwischen Baby und Mutter sehr eng, da das Kind zur Erfüllung seiner Bedürfnisse vollständig auf die Mutter angewiesen ist. Mit der Zeit nimmt die Intensität jedoch ab. Das Kind lernt zu krabbeln, eigenständig zu essen, selbstständig Freundschaften aufzubauen und so weiter. Irgendwann beginnt es eine Ausbildung oder ein Studium, es zieht aus, wird finanziell unabhängig und emanzipiert sich vollständig.

    Zwischenmenschliche Beziehungen sind häufig sehr komplex, insbesondere wenn Sie so prägend sind, wie die zwischen Mutter und Tochter – zu komplex, um sie über einen Austausch in den Kommentaren hier angemessen analysieren zu können. Mit einer „Ferndiagnose“ oder gar einer Handlungsempfehlung möchte ich mich deshalb lieber zurückhalten.

    Wenn man mit einer Situation unzufrieden ist, würde ich jedem jedoch grundsätzlich raten, sich zu fragen „was kann ICH SELBST tun, um eine Veränderung zu bewirken?“. Andere Menschen kann man in der Regel nämlich nicht verändern – sich selbst ändern ist oft ja schon schwer genug.

    Ein paar Denkanstöße möchte ich Ihnen aber trotzdem mitgeben – auch wenn die natürlich sehr spekulativ sind. Es könnte beispielsweise sein, dass sich Ihre Tochter unter Druck gesetzt fühlt, Ihnen helfen zu müssen. Vielleicht kommunizieren Sie ihr gegenüber – wie auch in ihrem Kommentar –, dass Sie früher alles für sie getan haben und jetzt nichts zurückkommt. Oder Sie machen Ihr den Vorwurf, keine Empathie zu haben (übrigens einer der klassischen Empathie-Fehler, mehr dazu hier: http://www.empathie-lernen.de/empathie-fehler).

    Möglich wäre aber auch, dass Ihre Tochter einfach generell ablehnend reagiert, wenn jemand mit ihr seine Probleme besprechen möchte, z.B. weil das in ihr selbst negative Gefühle auslöst, die sie lieber vermeiden möchte. Für Sie könnte dies bedeuten, dass Sie die Kommunikation über Ihre Probleme (erst einmal) hinten anstellen, um die Beziehung zu Ihrer Tochter zunächst über positive Gefühle zu intensivieren.

    Vielleicht hängt es auch einfach mit den Persönlichkeitstypen (mehr dazu finden Sie hier: http://www.empathie-lernen.de/persoenlichkeitstypen) zusammen. Sie könnten Beispielsweise ein Doublechecker sein (hohe Bedeutung von Familie, aber auch starken Fokus auf Probleme). Wenn Ihre Tochter dann ein Mover wäre, hätten wir den oben beschrieben Fall. Sie würden dann als Pessimist wahrgenommen und ein Mover würde ihnen raten, „es einfach ein bisschen lockerer zu sehen“. Wenn Ihre Tochter z.B. ein Engineer ist, wäre ein möglicher Konfliktpunkt (auch unter der Annahme, Sie seien ein Doublechecker), dass Sie für Ihre Probleme vor allem emotionale Anteilnahme erwarten, Ihre Tochter aber eher an einer schnellen „3-Schritte-Lösung“ interessiert ist. Jedes Mal, wenn Sie von einem Problem berichten und sich erhoffen ein „Ach Mensch, Du Arme. Da wäre jeder verzweifelt“ zu hören, bekämen Sie von einem Engineer eher ein „Dazu habe ich letztens einen guten Artikel gelesen, der sehr genau beschreibt, wie man in einer solchen Situation vorgehen sollte. Ich schick Dir den Link per Mail.“

    Aber wie gesagt, das sind alles nur Denkanstöße. Ich weiß nicht, wie die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter insgesamt aussieht. Meine Äußerungen dazu sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Nur der Tipp, dass Sie sich auf das konzentrieren sollten, was Sie durch eine Änderung IHRES Verhaltens bewirken können, besitzt universelle Gültigkeit.

    Und wie Sie wahrscheinlich bereits festgestellt haben, Kommentare und meine Antworten sind kostenlos.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen.

    Reply
  • Jürgen Engels 25. Februar 2015, 21:48

    Hallo Herr Düllings,
    Wirklich ganz toll, wie sie sich da einbringen.
    Kompliment und danke
    Jürgen Engels

    Reply
  • Carlo Düllings 26. Februar 2015, 18:28

    Hallo Herr Engels,

    ich denke bei Kommentaren immer wieder, dass sich vielleicht auch andere zu den aufgeworfenen Fragen Gedanken machen, so dass eine umfassende Antwort auch für alle anderen Leser meines Blogs nützlich sein könnte. Freut mich, dass Sie es anscheinend auch so wahrnehmen. Danke für Ihren motivierenden Kommentar!

    Reply
  • Rena Lichtenberg 8. April 2015, 14:57

    Vielen Dank! Außerordentlich gute Definition

    Reply
  • Carlo Düllings 8. April 2015, 17:02

    Hallo Frau Lichtenberg, danke für das Kompliment & noch viel Spaß auf meiner Webseite.

    Reply
  • Ella Lehnberg 21. April 2015, 22:23

    Hallo Herr Düllings,

    ich fühle mich bei Ihrer Webseite wahnsinnig angesprochen. Viel zu oft kümmere ich mich um die Problem anderer, meistens sogar völlig Fremder und bei schlechter Stimmung von Menschen aus meiner Umgebung könnte ich regelmäßig weinen!

    Ich leide deshalb auch unter starken körperlichen Schmerzen (andere Ursachen sind des Öfteren ausgeschlossen worden) und somit ist diese Fähigkeit eher eine Last für mich…

    Haben Sie denn einen Rat für mich, wie ich weiterhin mit meinen 36 Empathiepunkten umgehen soll?

    Liebe Grüße und vielen Dank,

    Ella

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 22. April 2015, 18:28

    @ Ella Lehnberg
    Also, die 36 Empathiepunkte kenne ich nicht, aber ich kann Ihnen nur raten, “Nein” sagen zu lernen. Das ist ein schwieriger Prozess, aber lernbar.
    Schlechte Stimmung von anderen Menschen sollte Sie nicht interessieren, es gibt nämlich weitaus wichtigere Dinge im Leben, als über die schlechte Stimmung anderer zu weinen. Viele Grüße
    Irene Keidel-Aparcev

    Reply
  • Ella Lehnberg 22. April 2015, 23:22

    @Irene Keidel-Aparcev

    Die Empathiepunkte beziehen sich auf den Test dieser Webseite. Wenn es auch 33 sind, da ich mir die genaue Zahl nicht gemerkt habe, galt es nur als Umschreibung meines Problems!

    Sie haben recht, es ist ein sehr schwieriger Prozess, aber vielleicht sollte ich einfach noch mehr guten Willen zeigen… Und somit danke für Ihre Ehrlichkeit!

    Liebe Grüße,
    Ella Lehnberg

    Reply
  • Carlo Düllings 24. April 2015, 15:52

    Hallo Frau Lehnberg,

    zunächst möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mit Ihrem Problem nicht alleine sind. Es gibt einige, die auf meine Webseite gelangen, weil sie „zu viel Empathie“ gegoogelt haben – aber das nur so am Rande.

    Frau Keidel-Aparcev hat einen wichtigen Aspekt schon angesprochen. Ein häufiger Fehler ist, dass man bei zu viel Empathie sich so sehr auf andere ausrichtet, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund geraten. Obwohl dafür vielfältige Gründe existieren können, ist die Lösung meist relativ ähnlich.

    Sie müssen sich zunächst stärker damit beschäftigen, was Sie wollen und eine klare Trennung zwischen Ihren und den Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen anderer herstellen. Versuchen Sie hierfür in sich hineinzuhorchen und sich stärker selbst zu reflektieren. Zum Starten würde ich Ihnen empfehlen, entweder ein Tagebuch zu führen oder mit Meditationen zu experimentieren.

    Im Tagebuch einfach mal aufzuschreiben, wie Sie sich in den belastenden Situationen gefühlt haben, wie Sie gehandelt haben und wie Sie sich eigentlich lieber hätten verhalten wollen. Weitere Ideen hierzu finden Sie in diesem Artikel zur Selbstkompetenz: http://www.empathie-lernen.de/selbstkompetenz

    Zu den Meditationen finden Sie hier http://www.empathie-lernen.de/meditieren-und-mitgefuehl einen guten Überblick für den Einstieg. Am besten keine große Sache draus machen, sondern einfach offen an das Thema heran gehen, ne Woche lang jeden Abend 10-20 Minuten investieren und schauen, was sich verändert. Von der Metta-Meditation würde ich in Ihrem Fall allerdings eher abraten, da sie vor allem die Empathie steigert, aber zu wenig Empathie ist ja nicht Ihr Problem.

    Wenn Sie sich klarer darüber sind, was Sie wirklich wollen, wird es Ihnen auch leichter fallen, dies anderen gegenüber zu äußern und durchzusetzen – das wäre dann der nächste Schritt. Auch hierzu finden Sie weitere Informationen im Selbstkompetenzartikel. Darüber hinaus möchte ich Ihnen noch folgende Tipps geben:

    1. Wenn Sie in kritischen Situationen oft einknicken, rate ich Ihnen zur Power Pose (mehr Infos hierzu finden Sie über Google). Vor der Situation nehmen Sie einfach eine dominante Körperhaltung ein und halten diese für 2 Minuten. Dadurch sinkt Ihr Stress-Hormon Cortisol und Ihr Dominanz-Hormon Testosteron legt zu. Sie werden souveräner, bekommen eine bessere Ausstrahlung und können besser überzeugen.

    2. Verstärken Sie Ihr gewolltes Verhalten emotional. Wenn Sie sich so verhalten haben, wie Sie möchten, sollten Sie Ihre neue Verhaltensweise durch die Assoziation mit positiven Gedanken und Gefühlen bekräftigen. Lassen Sie sich nicht zu stark von anderen – oder noch schlimmer – von kritischen Stimmen aus Ihrem Inneren beeinflussen! Wenn Sie sich wie von Ihnen gewollt verhalten haben, sagen Sie sich selbst „gut gemacht“, „ich bin stolz auf Dich“ etc. und zwar auch dann, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreicht, aber trotzdem Fortschritte gemacht haben. Hierbei sind auch Affirmationen und Visualisierungen sehr hilfreich.

    3. Die Notfalllösung, wenn sonst nichts hilft: entziehen Sie sich den kritischen Situationen. Meiden Sie den Kontakt zu Menschen, die um Ihre Schwäche wissen und die diese gezielt ausnutzen. Meiden Sie Situationen, in denen Sie sich zu einem bestimmten Verhalten genötigt fühlen und ganz wichtig – lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden. Sie können frei entscheiden, womit Sie Ihre Zeit verbringen und wenn das anderen nicht passt, ist das deren Problem und nicht Ihrs.

    Ich hoffe, das hilft.

    Viele Grüße

    Carlo Düllings

    Reply
  • Jasmin B. 25. April 2015, 12:50

    Einfach nur Spitze diese Seite hier!!!

    Ich “leide” schon lange an emotionaler Empathie sowie Hochsensitivität. Habe leider nie gelernt, mich abzugrenzen und durfte mit Leib und Seele alles aufsaugen was um mich herum geschah und das war alles andere als positiv. Auf meine WIRKLICHEN Bedürfnisse zu HÖREN, nach innen zu gehen und so sein zu dürfen, wie ich wirklich bin, es anzunehmen und leben zu dürfen, hat verdammt lange gedauert.

    Bis der Einbruch kam, mit 40. Drei Jahre tiefenpsychologische Therapie haben mir sehr geholfen, Meditation, Nein sagen, Ruhe und die Natur auch! Menschen zu meiden, die negativ durchs Leben gehen und wo sich einfach nichts Positives pflanzen lässt, die in ihrer Opferrolle hilflos bleiben, habe ich hinter mir gelassen. Heute, 6 Jahre später, lebe ich ziemlich zurückgezogen auf dem Land und genieße die wirklich wichtigen Dinge im Leben für mich. Es ging mir noch nie besser. Und wenn ich spüre, das negative Energie in mich übergeht, ziehe ich mich aus der Situation sofort raus. Das ist mein gutes Recht, das habe ich endlich gelernt. Ich lasse es nicht mehr zu, das äußere Umstände mich so runterziehen, das ich drei Tage flachliege. Es gibt Menschen, die nicht hören, selbst wenn man ihnen seine Grenzen mitteilt und sie gehen über deine Gefühle hinweg. Davon MUSS man sich lösen. Es gab Zeiten, da konnte ich nicht mal fernsehen, weil selbst da alles emotional in mich eindrang.

    Das alles anzunehmen, umzusetzen und sich selbst zu erlauben, ist kein Spaziergang, aber jedem der sich evtl. hier wiederfinden sollte, kann ich nur mit auf den Weg geben ES LOHNT SICH!!! Es gibt vieles auf dieser wunderschönen Welt, das Deine Empathie positiv unterstützt!!

    Herzliche Grüße

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 25. April 2015, 21:22

    Irgendwann merkst du: Du musst aufhören, Ozeane für Menschen zu überqueren, die für dich nicht einmal über eine Pfütze springen.

    Ich fand dieses Zitat so wunderbar und wahr, dass es allen, die schon so viele Ozeane überquert haben (wie ich) vielleicht eine Hilfe sein könnte.

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