Empathie-Definition – was bedeutet Empathie eigentlich genau?

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empathie-definition

Empathie ist ein sehr vielschichtiger Begriff – wie ist er definiert?

Empathie-Definitionen gibt es wie Sand am Meer. Das liegt zum einen daran, dass Empathie an sich ein sehr vielschichtiger Begriff mit unterschiedlichen Teilaspekten ist. Zum anderen ist Empathie aber auch in sehr heterogenen Arbeitsfeldern relevant. Abhängig von den Anforderungen, die an die verschiedenen Berufsgruppen gestellt werden, stehen deshalb unterschiedliche Teilbereiche im Mittelpunkt der jeweiligen Empathie-Definition.

In diesem Artikel gehe ich, ausgehend von einer eher allgemeinen Empathie-Definition, auch auf Randbereiche ein, die in manchen Empathie-Definitionen einbezogen und in anderen weggelassen werden. Außerdem grenze ich Empathie gegen verwandte Begriffe ab, wie Mitgefühl, emotionale Intelligenz und Gefühlsansteckung.

Wie wird Empathie definiert?

Jeder hat schon einmal von Empathie gehört und die meisten haben auch eine grobe Vorstellung davon, was Empathie bedeutet. Diese grobe Vorstellung macht ein Gespräch über das Thema Empathie jedoch nicht gerade einfach, da jeder seine eigene Empathie-Definition mitbringt. Für den einen bedeutet Empathie Mitgefühl, für den nächsten bedeutet Empathie, dass man gut verhandeln kann. Die folgende Empathie-Definition fasst all diese unterschiedlichen Empathie-Definitionen zusammen und stellt den kleinsten Nenner dar:

Definition Empathie:
Empathie ist die Fähigkeit, wahrzunehmen, was in einem anderen vorgeht

Mit unserem kostenlosen Empathie-Test können Sie innerhalb von 2 Minuten herausfinden, wie hoch Ihre eigene Empathie ist.

Kognitive Empathie und emotionale Empathie

Natürlich kann man einen so vielschichtigen Begriff wie Empathie auch anders untergliedern, aber letztlich hat sich vor allem die Unterscheidung in kognitive Empathie und emotionale Empathie durchgesetzt.

Von kognitiver Empathie spricht man, wenn man wahrnimmt, was in einem anderen vorgeht, jedoch ohne dabei die emotionale Reaktion seines Gegenübers zu zeigen. Dazu gehört z.B. auch die Anwendung eines Persönlichkeitsmodells. Zur kognitiven Empathie gehören aber auch unbewusste, intuitive Bestandteile, so lange sie auf rationalen Abläufen im Gehirn basieren. Kognitive Empathie bedeutet also, dass man versteht, was in einem anderen vorgeht.

Von emotionaler Empathie spricht man, wenn man die Gefühle eines anderen annimmt – im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt das, was auch der andere fühlt. Emotionale Empathie ist also dasselbe wie Mitgefühl, Mitleid oder auch die Teilhabe an der Freude anderer. Emotionale Empathie wird oft auch affektive Empathie genannt.

In einer Verhandlungssituation ist hauptsächlich kognitive Empathie gefragt. Man möchte primär eine möglichst gute Vereinbarung für sich erreichen und nicht aus Mitleid Bedingungen zustimmen, die man nachtäglich als unakzeptabel beurteilt.

In einer Mutter-Kind-Beziehung ist es natürlich interessant, die Gedanken oder sogar die Charaktereigenschaften des Kindes zu erkennen. Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass das Kind emotionale Wärme wahrnimmt und dass die Mutter spürt, was ihr Kind braucht – am besten ohne langes Nachdenken. Hier ist also emotionale Empathie wichtiger.

Oft beeinflussen sich emotionale und kognitive Empathie gegenseitig. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Autismus. Autisten haben nur eine sehr geringe kognitive Empathie, sind aber in der Lage, emotionale Empathie zu empfinden. Ihre großen Defizite, zu verstehen, was in anderen vorgeht (kognitive Empathie), machen es aber oft sehr schwierig, emotionale Empathie zu entwickeln. Mit anderen Worten: da sie nicht wissen, wie sich der andere gerade fühlt, können sie in der Regel oft erst mitfühlen, wenn ihnen explizit erklärt wird, was in der anderen Person gerade vorgeht.

Obwohl sich diese beiden Arten von Empathie also gegenseitig beeinflussen, ist eine genaue Unterscheidung sehr wichtig. Dies gilt insbesondere für die Wahl eines geeigneten Empathietrainings. Da sehr unterschiedliche Trainingsmethoden verfügbar sind, sollte man sich vorher ein Bild davon machen, was man eigentlich genau trainieren möchte. Emotionale Empathie lässt sich durch bestimmte Meditationstechniken verbessern, für kognitive Empathie empfehle ich das Humm-Wadsworth-Persönlichkeitsmodell.

Andere Empathie-Definitionen

Die oben vorgestellte Empathie-Definition bietet eine gute Grundlage für ein gemeinsames Verständnis des Begriffs. Da diese eher generelle Empathie-Definition aber nicht alle Facetten anspricht, gehe ich jetzt noch einmal auf die unterschiedlichen Schwerpunkte anderer Empathie-Definitionen ein.

Der erste Unterschied bezieht sich auf „was in einem anderen vorgeht“. In der vorgestellten Empathie-Definition ist diese eher vage Formulierung bewusst gewählt, weil es unterschiedliche Ansichten dazu gibt, was alles zur Empathie gehört. Alle sind sich einig, dass Gefühle und Emotionen auf jeden Fall dazu gehören, meist wird zudem auch das Erkennen von Gedanken, Absichten und Persönlichkeitsmerkmalen dazugezählt.

Außerdem möchte ich betonen, dass hier nicht „einem anderen Menschen“ steht, da sich Empathie auf alle Lebewesen erstreckt, auch wenn meist nur von zwischenmenschlichen Beziehungen die Rede ist.

Der nächste Unterschied bezieht sich auf „Fähigkeit“. Alleine schon, dass es die Begriffspaare Empathie und Empathiefähigkeit sowie Einfühlung und Einfühlungsvermögen (übrigens die direkte „Übersetzung“ von Empathie bzw. Empathiefähigkeit) gibt, zeigt, dass sich die Menschen hier uneins sind. Manche sind der Meinung, dass die Fähigkeit ausreicht, um von Empathie zu sprechen. Andere sind der Meinung, dass neben der Fähigkeit auch noch die Bereitschaft vorhanden sein muss, sich in sein Gegenüber einzufühlen.

Dieser Unterschied ist auch durch die Doppelbedeutung von Empathie als Fähigkeit bzw. Charaktereigenschaft auf der einen und Empathie als emotionalen Zustand auf der anderen Seite, bedingt. Die Stärke des emotionalen Zustands Empathie hängt nämlich auch von situativen Faktoren ab, z.B. davon, wie gestresst die Empathie empfindende Person zum entsprechenden Zeitpunkt ist. Diese Faktoren können alltagssprachlich auch mit „Bereitschaft zur Empathie“ beschrieben werden.

Der emotionale Zustand Empathie wird durch die Bereitschaft dazu zwar gesteigert, aber über unbewusst ablaufende Empathie-Prozesse entwickelt er sich auch ohne die Bereitschaft dazu. Auch wenn die empfundene Empathie ohne die aktive Bereitschaft wesentlich geringer ist, wird sie doch nicht völlig abgeblockt, weshalb die Gleichung Empathie = Empathiefähigkeit + Bereitschaft nur teilweise sinnvoll ist.

Der letzte Unterschied bezieht sich auf „wahrnehmen“ und führt zu ähnlich vielen Diskussionen, wie die Unterscheidung zwischen emotionaler und kognitiver Empathie. Manche Menschen sprechen nämlich nicht von Empathie, wenn eine Person weiß, was in einem anderen vorgeht, sondern nur dann, wenn sie auch so handelt, wie es sich die andere Person wünscht. Die empathische Handlung wird allgemein jedoch nicht mehr zur Empathie gezählt, sondern gesondert als prosoziales Verhalten beschrieben.

Empathie und verwandte Begriffe

Neben diesen unterschiedlichen Empathie-Definitionen gibt es nun auch noch verwandte Begriffe, die sich klar von Empathie unterscheiden lassen, die jedoch oft mit Empathie in Verbindung gebracht und teilweise auch verwechselt werden.

Gefühlsansteckung beschreibt einen der emotionalen Empathie ähnlichen Prozess, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern beobachtet werden kann. Sowohl bei Gefühlsansteckung, als auch bei emotionaler Empathie, übernehme ich die Gefühle eines anderen.

Der Unterschied liegt darin, dass man sich bei emotionaler Empathie bewusst ist, dass die Gefühle nicht auf einen selbst, sondern auf jemand anderen zurückgehen. Bei Gefühlsansteckung ist dies nicht der Fall. Man übernimmt zwar die Gefühle eines anderen, bemerkt dies jedoch nicht und agiert so, als ob das Gefühl von einem selbst stammt. Typisches Beispiel hierfür sind die früheren Säuglingsstationen, in denen alle Neugeborenen in einem Zimmer untergebracht waren. Wenn eins der Babys zu schreien anfing, schrien kurz darauf auch die anderen. Ein weiteres Beispiel für Gefühlsansteckung sind Massenpaniken.

Unter Sympathie versteht man die scheinbar grundlose emotionale Zuneigung zwischen zwei Personen. Sympathie entsteht meist unbewusst und äußert sich durch ein unbestimmtes Gefühl von innerer Verwandtschaft, das oft sowohl durch tatsächliche, als auch durch nur vermutete Ähnlichkeiten hervorgerufen wird.

Die Gemeinsamkeit zwischen Empathie und Sympathie liegt in der „gemeinsamen Wellenlänge“, der gemeinsamen emotionalen Verbindung zweier Menschen. Auch die altgriechischen Wurzeln von Empathie und Sympathie, empátheia und sympátheia, zeugen von einer gewissen Ähnlichkeit. Das Präfix sym bedeutet „zusammen mit, gemeinsam, gleichartig“, das Präfix em bedeutet „im, bei, mit“. Pátheia bedeutet Leiden.

Sympathie begünstigt das Auftreten von Empathie, da man eher mit Menschen mitfühlt, die einem sympathisch sind und auch Empathie kann Sympathie beeinflussen, da man eher eine positive Grundeinstellung zu einem anderen aufbaut, wenn man sein Handeln nachvollziehen kann. Trotzdem haben Empathie und Sympathie eine ganz unterschiedliche Bedeutung: Empathie bedeutet Verständnis, Sympathie Zuneigung.

Etwas leichter fällt die Abgrenzung von Empathie und Selbstempathie. Gewissermaßen ein Widerspruch in sich, lässt sich Selbstempathie, so wie es die meisten intuitiv richtig machen, als Empathie mit sich selbst definieren. Empathie beschreibt das Erkennen von dem, was in einem anderen vorgeht. Selbstempathie das Erkennen von dem, was in einem selbst vorgeht. Selbstempathie steht auch in enger Verbindung zu dem Begriff Selbstkompetenz, der neben Selbstempathie aber auch weitere Aspekte beinhaltet, beispielsweise die Fähigkeiten, eigenständig Entscheidungen zu treffen, Lebenspläne zu entwickeln und zu verwirklichen.

Ein anderer Begriff, der häufig mit Empathie in Verbindung gebracht wird ist emotionale Intelligenz. Unter emotionaler Intelligenz versteht man das Erkennen und den adäquaten Umgang mit seinem eigenen Innenleben und dem von anderen. Neben Empathie und Selbstempathie bezieht emotionale Intelligenz zusätzlich also noch den gekonnten Umgang mit diesen Gefühlen, Einstellungen und Charaktereigenschaften ein.

Auch Menschenkenntnisse sind gewissermaßen ein Synonym für Empathie. Ein wichtiger Unterschied ist, dass Menschenkenntnisse nur eine Fähigkeit bezeichnen, Empathie hingegen auch einen emotionalen Zustand. Zudem beziehen sich Menschenkenntnisse tendenziell auch eher auf langfristig stabile Eigenschaften, wie Temperamente oder den Charakter, Empathie bezieht sich eher (aber wie oben geschildert nicht nur) auf kurzfristige Gefühle und Emotionen.

{ 37 Kommentare… add one }

  • Steffi 27. Dezember 2013, 10:15

    Super, dass dies mal jemand erklärt. In Zeiten von Social Media geht´s ja leider arg verloren. LG, Steffi

    Reply
  • Gerd Brunner 18. September 2014, 13:32

    Auch eine super Erklärung von Empathie. Sollte aber auch im Zusammenhang mit Solidarität gesehen werden, nach Durkheim der sagt “ohne Kommunikation keine Solidarität”.

    Reply
  • Carlo Düllings 20. September 2014, 16:59

    Hallo Herr Brunner,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Empathie hat natürlich einen starken Einfluss, sowohl auf Kommunikation, als auch auf Solidarität. Mir war jedoch wichtig, die Empathie einmal losgelöst von allen anderen Aspekten zu beschreiben, da viele andere diese Trennungen nicht so klar herausstellen, was dann schnell zu Verwirrungen und Irritationen führen kann.

    Ohne jetzt zu sehr in die Definitionen der anderen Begriffe abgleiten zu wollen… es kann auch ohne direkte Kommunikation Empathie geben, beispielsweise wenn man eine Interaktion zwischen zwei Menschen nur beobachtet. Genauso kann man Solidarität herstellen, ohne dass alle teilnehmenden Personen Empathie füreinander empfinden, beispielsweise über Mechanismen wie Gruppendruck. Dadurch machen mehr Menschen mit, als eigentlich mitmachen möchten.

    Aber wie gesagt, die Empathie ist trotzdem ein sehr wichtiger Faktor in beiden Bereichen. In der Kommunikation wird die intendierte Botschaft viel besser angenommen, wenn Empathie vorhanden ist. Auch Solidarität entsteht viel besser, wenn Empathie zwischen den Personen herrscht. Interessant dabei ist, wie es sich mit der Empathie verhält, wenn man eine Täter-Opfer-Konstellation beobachtet.

    Generell neigt man eher dazu, sich mit dem Opfer zu solidarisieren. Gruppenzugehörigkeit, gemachte Erfahrungen sowie die eigenen Vorstellungen von Gesellschaft, Kultur und Werten, schlicht die tatsächliche oder wahrgenommene Ähnlichkeit der Personen mit einem selbst beeinflussen das aber natürlich recht stark, da all dies die Sympathie stark bestimmt. Sympathie wiederum verstärkt dann auch wieder die Empathie und erhöht die Wahrscheinlichkeit für solidarisches Verhalten.

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 7. Dezember 2014, 17:43

    Sehr geehrter Herr Düllings,

    in Ihrem Abschnitt über die Mutter Kind oder Kind Mutter Beziehung schreiben sie, dass es für ein Kind lebensnotwendig ist, die liebevolle Empathie der Mutter zu spüren. Ich habe versucht, meinen Kindern eine schöne Kindheit zu schenken. Ich war immer für sie da und habe ihre Möglichkeiten zur Entfaltung immer unterstützt. Meine Kinder waren auch beide sehr gefühlvolle Menschen. Leider habe ich im Verlauf der Jahre festgestellt, dass sich die Empathie eines Menschen sehr verändern kann. Besonders trifft das auf meine erwachsene Tochter zu, die selbst in meinen größten Lebensschwierigkeiten immer nur mit gute Ratschlägen für mich aufwarten konnte, mir aber nicht einmal geholfen hat, als es mir selbst sehr schlecht ging. Wenn Ihre Kommentare kostenfrei sind, bitte ich um Benachrichtigung.

    Es grüßt Sie freundlich

    Irene Keidel-Aparcev

    P.S. Eigenartig, dass es kein Gebot gibt, dass man seine Kinder zu ehren hat.

    Reply
  • Carlo Düllings 9. Dezember 2014, 18:12

    Hallo Frau Keidel-Aparcev,

    naturgemäß ist die Verbindung zwischen Mutter und Kind am Anfang sehr intensiv. Während der Schwangerschaft ist die Beeinflussung noch sehr direkt. Wenn die Mutter z.B. gestresst ist, gelangen die entsprechenden Hormone auch in den Organismus des Babys, wo sie Ihre Wirkung entfalten. Auch nach der Geburt ist die Verbindung zwischen Baby und Mutter sehr eng, da das Kind zur Erfüllung seiner Bedürfnisse vollständig auf die Mutter angewiesen ist. Mit der Zeit nimmt die Intensität jedoch ab. Das Kind lernt zu krabbeln, eigenständig zu essen, selbstständig Freundschaften aufzubauen und so weiter. Irgendwann beginnt es eine Ausbildung oder ein Studium, es zieht aus, wird finanziell unabhängig und emanzipiert sich vollständig.

    Zwischenmenschliche Beziehungen sind häufig sehr komplex, insbesondere wenn Sie so prägend sind, wie die zwischen Mutter und Tochter – zu komplex, um sie über einen Austausch in den Kommentaren hier angemessen analysieren zu können. Mit einer „Ferndiagnose“ oder gar einer Handlungsempfehlung möchte ich mich deshalb lieber zurückhalten.

    Wenn man mit einer Situation unzufrieden ist, würde ich jedem jedoch grundsätzlich raten, sich zu fragen „was kann ICH SELBST tun, um eine Veränderung zu bewirken?“. Andere Menschen kann man in der Regel nämlich nicht verändern – sich selbst ändern ist oft ja schon schwer genug.

    Ein paar Denkanstöße möchte ich Ihnen aber trotzdem mitgeben – auch wenn die natürlich sehr spekulativ sind. Es könnte beispielsweise sein, dass sich Ihre Tochter unter Druck gesetzt fühlt, Ihnen helfen zu müssen. Vielleicht kommunizieren Sie ihr gegenüber – wie auch in ihrem Kommentar –, dass Sie früher alles für sie getan haben und jetzt nichts zurückkommt. Oder Sie machen Ihr den Vorwurf, keine Empathie zu haben (übrigens einer der klassischen Empathie-Fehler, mehr dazu hier: http://www.empathie-lernen.de/empathie-fehler).

    Möglich wäre aber auch, dass Ihre Tochter einfach generell ablehnend reagiert, wenn jemand mit ihr seine Probleme besprechen möchte, z.B. weil das in ihr selbst negative Gefühle auslöst, die sie lieber vermeiden möchte. Für Sie könnte dies bedeuten, dass Sie die Kommunikation über Ihre Probleme (erst einmal) hinten anstellen, um die Beziehung zu Ihrer Tochter zunächst über positive Gefühle zu intensivieren.

    Vielleicht hängt es auch einfach mit den Persönlichkeitstypen (mehr dazu finden Sie hier: http://www.empathie-lernen.de/persoenlichkeitstypen) zusammen. Sie könnten Beispielsweise ein Doublechecker sein (hohe Bedeutung von Familie, aber auch starken Fokus auf Probleme). Wenn Ihre Tochter dann ein Mover wäre, hätten wir den oben beschrieben Fall. Sie würden dann als Pessimist wahrgenommen und ein Mover würde ihnen raten, „es einfach ein bisschen lockerer zu sehen“. Wenn Ihre Tochter z.B. ein Engineer ist, wäre ein möglicher Konfliktpunkt (auch unter der Annahme, Sie seien ein Doublechecker), dass Sie für Ihre Probleme vor allem emotionale Anteilnahme erwarten, Ihre Tochter aber eher an einer schnellen „3-Schritte-Lösung“ interessiert ist. Jedes Mal, wenn Sie von einem Problem berichten und sich erhoffen ein „Ach Mensch, Du Arme. Da wäre jeder verzweifelt“ zu hören, bekämen Sie von einem Engineer eher ein „Dazu habe ich letztens einen guten Artikel gelesen, der sehr genau beschreibt, wie man in einer solchen Situation vorgehen sollte. Ich schick Dir den Link per Mail.“

    Aber wie gesagt, das sind alles nur Denkanstöße. Ich weiß nicht, wie die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrer Tochter insgesamt aussieht. Meine Äußerungen dazu sind deshalb mit Vorsicht zu genießen. Nur der Tipp, dass Sie sich auf das konzentrieren sollten, was Sie durch eine Änderung IHRES Verhaltens bewirken können, besitzt universelle Gültigkeit.

    Und wie Sie wahrscheinlich bereits festgestellt haben, Kommentare und meine Antworten sind kostenlos.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen.

    Reply
  • Jürgen Engels 25. Februar 2015, 21:48

    Hallo Herr Düllings,

    wirklich ganz toll, wie sie sich da einbringen. Kompliment und danke.

    Jürgen Engels

    Reply
  • Carlo Düllings 26. Februar 2015, 18:28

    Hallo Herr Engels,

    ich denke bei Kommentaren immer wieder, dass sich vielleicht auch andere zu den aufgeworfenen Fragen Gedanken machen, so dass eine umfassende Antwort auch für alle anderen Leser meines Blogs nützlich sein könnte. Freut mich, dass Sie es anscheinend auch so wahrnehmen. Danke für Ihren motivierenden Kommentar!

    Reply
  • Rena Lichtenberg 8. April 2015, 14:57

    Vielen Dank! Außerordentlich gute Definition

    Reply
  • Carlo Düllings 8. April 2015, 17:02

    Hallo Frau Lichtenberg, danke für das Kompliment & noch viel Spaß auf meiner Webseite.

    Reply
  • Ella Lehnberg 21. April 2015, 22:23

    Hallo Herr Düllings,

    ich fühle mich bei Ihrer Webseite wahnsinnig angesprochen. Viel zu oft kümmere ich mich um die Problem anderer, meistens sogar völlig Fremder und bei schlechter Stimmung von Menschen aus meiner Umgebung könnte ich regelmäßig weinen!

    Ich leide deshalb auch unter starken körperlichen Schmerzen (andere Ursachen sind des Öfteren ausgeschlossen worden) und somit ist diese Fähigkeit eher eine Last für mich…

    Haben Sie denn einen Rat für mich, wie ich weiterhin mit meinen 36 Empathiepunkten umgehen soll?

    Liebe Grüße und vielen Dank,

    Ella

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 22. April 2015, 18:28

    @ Ella Lehnberg
    Also, die 36 Empathiepunkte kenne ich nicht, aber ich kann Ihnen nur raten, “Nein” sagen zu lernen. Das ist ein schwieriger Prozess, aber lernbar. Schlechte Stimmung von anderen Menschen sollte Sie nicht interessieren, es gibt nämlich weitaus wichtigere Dinge im Leben, als über die schlechte Stimmung anderer zu weinen.

    Viele Grüße
    Irene Keidel-Aparcev

    Reply
  • Ella Lehnberg 22. April 2015, 23:22

    @Irene Keidel-Aparcev

    Die Empathiepunkte beziehen sich auf den Test dieser Webseite. Wenn es auch 33 sind, da ich mir die genaue Zahl nicht gemerkt habe, galt es nur als Umschreibung meines Problems!

    Sie haben recht, es ist ein sehr schwieriger Prozess, aber vielleicht sollte ich einfach noch mehr guten Willen zeigen… Und somit danke für Ihre Ehrlichkeit!

    Liebe Grüße,
    Ella Lehnberg

    Reply
  • Carlo Düllings 24. April 2015, 15:52

    Hallo Frau Lehnberg,

    zunächst möchte ich Ihnen sagen, dass Sie mit Ihrem Problem nicht alleine sind. Es gibt einige, die auf meine Webseite gelangen, weil sie „zu viel Empathie“ gegoogelt haben – aber das nur so am Rande.

    Frau Keidel-Aparcev hat einen wichtigen Aspekt schon angesprochen. Ein häufiger Fehler ist, dass man bei zu viel Empathie sich so sehr auf andere ausrichtet, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund geraten. Obwohl dafür vielfältige Gründe existieren können, ist die Lösung meist relativ ähnlich.

    Sie müssen sich zunächst stärker damit beschäftigen, was Sie wollen und eine klare Trennung zwischen Ihren und den Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen anderer herstellen. Versuchen Sie hierfür in sich hineinzuhorchen und sich stärker selbst zu reflektieren. Zum Starten würde ich Ihnen empfehlen, entweder ein Tagebuch zu führen oder mit Meditationen zu experimentieren.

    Im Tagebuch einfach mal aufzuschreiben, wie Sie sich in den belastenden Situationen gefühlt haben, wie Sie gehandelt haben und wie Sie sich eigentlich lieber hätten verhalten wollen. Weitere Ideen hierzu finden Sie in diesem Artikel zur Selbstkompetenz: http://www.empathie-lernen.de/selbstkompetenz

    Zu den Meditationen finden Sie hier http://www.empathie-lernen.de/meditieren-und-mitgefuehl einen guten Überblick für den Einstieg. Am besten keine große Sache draus machen, sondern einfach offen an das Thema heran gehen, ne Woche lang jeden Abend 10-20 Minuten investieren und schauen, was sich verändert. Von der Metta-Meditation würde ich in Ihrem Fall allerdings eher abraten, da sie vor allem die Empathie steigert, aber zu wenig Empathie ist ja nicht Ihr Problem.

    Wenn Sie sich klarer darüber sind, was Sie wirklich wollen, wird es Ihnen auch leichter fallen, dies anderen gegenüber zu äußern und durchzusetzen – das wäre dann der nächste Schritt. Auch hierzu finden Sie weitere Informationen im Selbstkompetenzartikel. Darüber hinaus möchte ich Ihnen noch folgende Tipps geben:

    1. Wenn Sie in kritischen Situationen oft einknicken, rate ich Ihnen zur Power Pose (mehr Infos hierzu finden Sie über Google). Vor der Situation nehmen Sie einfach eine dominante Körperhaltung ein und halten diese für 2 Minuten. Dadurch sinkt Ihr Stress-Hormon Cortisol und Ihr Dominanz-Hormon Testosteron legt zu. Sie werden souveräner, bekommen eine bessere Ausstrahlung und können besser überzeugen.

    2. Verstärken Sie Ihr gewolltes Verhalten emotional. Wenn Sie sich so verhalten haben, wie Sie möchten, sollten Sie Ihre neue Verhaltensweise durch die Assoziation mit positiven Gedanken und Gefühlen bekräftigen. Lassen Sie sich nicht zu stark von anderen – oder noch schlimmer – von kritischen Stimmen aus Ihrem Inneren beeinflussen! Wenn Sie sich wie von Ihnen gewollt verhalten haben, sagen Sie sich selbst „gut gemacht“, „ich bin stolz auf Dich“ etc. und zwar auch dann, wenn Sie Ihr Ziel nicht erreicht, aber trotzdem Fortschritte gemacht haben. Hierbei sind auch Affirmationen und Visualisierungen sehr hilfreich.

    3. Die Notfalllösung, wenn sonst nichts hilft: entziehen Sie sich den kritischen Situationen. Meiden Sie den Kontakt zu Menschen, die um Ihre Schwäche wissen und die diese gezielt ausnutzen. Meiden Sie Situationen, in denen Sie sich zu einem bestimmten Verhalten genötigt fühlen und ganz wichtig – lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden. Sie können frei entscheiden, womit Sie Ihre Zeit verbringen und wenn das anderen nicht passt, ist das deren Problem und nicht Ihrs.

    Ich hoffe, das hilft.

    Viele Grüße

    Carlo Düllings

    Reply
  • Jasmin B. 25. April 2015, 12:50

    Einfach nur Spitze diese Seite hier!!!

    Ich “leide” schon lange an emotionaler Empathie sowie Hochsensitivität. Habe leider nie gelernt, mich abzugrenzen und durfte mit Leib und Seele alles aufsaugen was um mich herum geschah und das war alles andere als positiv. Auf meine WIRKLICHEN Bedürfnisse zu HÖREN, nach innen zu gehen und so sein zu dürfen, wie ich wirklich bin, es anzunehmen und leben zu dürfen, hat verdammt lange gedauert.

    Bis der Einbruch kam, mit 40. Drei Jahre tiefenpsychologische Therapie haben mir sehr geholfen, Meditation, Nein sagen, Ruhe und die Natur auch! Menschen zu meiden, die negativ durchs Leben gehen und wo sich einfach nichts Positives pflanzen lässt, die in ihrer Opferrolle hilflos bleiben, habe ich hinter mir gelassen. Heute, 6 Jahre später, lebe ich ziemlich zurückgezogen auf dem Land und genieße die wirklich wichtigen Dinge im Leben für mich. Es ging mir noch nie besser. Und wenn ich spüre, das negative Energie in mich übergeht, ziehe ich mich aus der Situation sofort raus. Das ist mein gutes Recht, das habe ich endlich gelernt. Ich lasse es nicht mehr zu, das äußere Umstände mich so runterziehen, das ich drei Tage flachliege. Es gibt Menschen, die nicht hören, selbst wenn man ihnen seine Grenzen mitteilt und sie gehen über deine Gefühle hinweg. Davon MUSS man sich lösen. Es gab Zeiten, da konnte ich nicht mal fernsehen, weil selbst da alles emotional in mich eindrang.

    Das alles anzunehmen, umzusetzen und sich selbst zu erlauben, ist kein Spaziergang, aber jedem der sich evtl. hier wiederfinden sollte, kann ich nur mit auf den Weg geben ES LOHNT SICH!!! Es gibt vieles auf dieser wunderschönen Welt, das Deine Empathie positiv unterstützt!!

    Herzliche Grüße

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 25. April 2015, 21:22

    Irgendwann merkst du: Du musst aufhören, Ozeane für Menschen zu überqueren, die für dich nicht einmal über eine Pfütze springen.

    Ich fand dieses Zitat so wunderbar und wahr, dass es allen, die schon so viele Ozeane überquert haben (wie ich) vielleicht eine Hilfe sein könnte.

    Reply
    • Désirée 11. Oktober 2015, 09:57

      Liebe Irene, dieser Spruch ist für mich eine Offenbarung. Er steht nun auf meinem Handy, damit ich ihn immer vor mit sehe. Ich versuche, in Zukunft die Ozean zu vermeiden, da für viele Menschen sogar die Pfützen zu gross sind.

      Reply
      • Irene Keidel-Aparcev 12. Oktober 2015, 17:35

        Ja, Désirée, dieses Zitat hat auch mir die Augen geöffnet und es freut mich ungemein, dass es auch bei Dir so einen Wiederhall gegeben hat. Höre auf Deinen Bauch, lass Dich nicht mehr ausnutzen, sondern sei selbst Dein bester Freund.

        Reply
  • Lackyone 7. Mai 2015, 14:11

    Jasmin B. Du hast ja soooo recht und mir half die Natur auch sehr viel. Das Abgrenzen ist so wichtig. Vor allem von diesen selbstgerechten Opferlämmern dieser Welt, die einen nur manipulieren und aussaugen. Aber es dauert und kostet ebenso Energie.

    Man muss immer in sich hineinhören und erspüren, was man will. Und wenn man das erst einmal weiß, ist ein großer, eigentlich der größte Schritt, getan. Dann vertrau auf Dich und Deine Fähigkeiten und genüge Dir vor allem selbst, um Dich systematisch von den Aussaugern und Miesepetern dieser Welt zu distanzieren. Und ja, oft genug gehört dann dazu auch, notwendigerweise den Fernseher abzuschalten.

    Zu begreifen, dass man nicht das ganze Elend dieser Welt heilen und nicht jedem helfen kann, ist für empathische Menschen wahrlich schwer. Da half es mir dann auch, was Irene K. schrieb. Zu erkennen, wer meine Hilfe verdient. Ist zwar nicht ehrenhaft “auszusortieren”, aber Frau hat schon zu viel Energie für Menschen gelassen, denen man nicht helfen kann, weil sie sich gar nicht ändern können. Von daher, änder Dich selbst und distanziere Dich. Du brauchst diese Menschen nicht, die Du meintest zu brauchen, auch oft dieses Gefühls wegen, gebraucht zu werden.

    Heute genieße ich, nicht gebraucht zu werden und gebe ausschließlich konkrete Hilfe zur Selbsthilfe! Und wenn sie nicht fruchtet… kann ich es auch nicht ändern. Dann ist es eben so und ich ziehe meine Grenze.

    Reply
    • Martin Hödl 19. Juli 2015, 09:06

      Hallo. Ich bin auf die Comments von Lackyone & Irene gestoßen. Da les ich von Dingen, die mir aus der Seele sprechen. Lackyone, du gibst konkrete Hilfe. Bitte melde dich. Ich hätte da noch die eine oder andere Frage. Danke! LG

      Reply
      • Carlo Düllings 21. Juli 2015, 14:55

        Hallo Herr Hödl, Ihre Fragen am besten einfach direkt hier posten. Dann können Lackyone und auch andere sehen, um was es geht und Ihnen weiterhelfen. Ihre Fragen helfen bestimmt auch anderen weiter. Viele Grüße

        Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 7. Mai 2015, 18:27

    @Lackyone diese Seite ist wirklich eine wunderbare Sache.

    Ich wollte mit meinem Zitat – leider weiss ich nicht von wem es ist – nicht “aussortieren.” Man sollte immer aus dem Unbedingten handeln – nicht aus dem Bedingten, so weit man dazu in der Lage ist. Aber ich muss lernen, auch Entscheidungen zu treffen.

    Wie Sie schrieben: “vertrau auf Dich und deine Fähigkeiten und genüge dir vor allem selbst”. Solch eine Erkenntnis kann bitter, aber auch sehr befreiend sein. Jaspers, den ich sehr schätze, sagt in “Im Falle des Konflikts zwischen moralischer Forderung und meinem Daseinsinteresse, bin ich je nach Größe dieses Interesses uneingestandenerweise vielleicht zu jeder Schandtat bereit.” Weiter sagt er: “Der Mensch kann nur das eine oder das andere wollen, wenn er wesentlich wird.”

    Auch Henry Miller hat darüber geschrieben: “Denn es gibt in einer gegebenen Lage immer nur einen Weg zu handeln, nicht zwei oder drei.” Es mutet vielleicht seltsam an, diese zwei Menschen in einem “Atemzug” zu nennen, aber wenn man beide sehr intensiv gelesen und verinnerlicht hat, dann merkt man, dass beide die gleiche Sprache sprechen, beziehungsweise, die gleiche Denkweise vertreten. Ja und wer über das “sich selbst genügen” nicht nur wunderbar geschrieben, sondern danach auch gelebt hat, ist Henry David Thoreau in “Denken mit Henric David Thoreau.” Sein berühmtes Buch “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” sollte zur Pflichtlektüre an den Schulen eingeführt werden.

    Aber die werden sich hüten! Denn selbstdenkende Menschen sind meistens auch unangepasste Menschen. Und die kann unsere Gesellschaft nicht gebrauchen. Es werden immer nur Einzelne sein, die aus der Reihe tanzen.

    Reply
  • Jasmin B. 8. Mai 2015, 22:50

    Liebe Lackyone, danke für die schönen Worte. Ich habe das große Glück das ich gerne mit mir zusammen bin :) Und Gott sei Dank kein Problem habe mit dem alleine sein. Ich habe es gelernt, in mich zu fühlen und weiß heute genau was geht und was nicht. Meine Signale sind meine Freunde geworden und endlich höre ich hin.

    Wer meine Hilfe ganz bestimmt gut gebrauchen kann sind Kinder. Ich lehre ihnen emotionale Intelligenz, das sollte an Schulen gelernt werden. Tiere – da bin ich auch voll mit dem Herzen dabei. Alte, kranke Menschen machen mich leider sehr traurig und es geht mir zu nah. Da muss ich eine Grenze ziehen. Ich möchte einfach nur SEIN in Einklang mit der Natur. Jeder kennt die berühmte Frage: Was würdest Du tun, wenn Du wüsstest das Du nur noch ein Jahr zu leben hast? Und ich kann ganz beruhigt sagen, NICHTS. Ich würde alles genau so lassen wie es JETZT ist. Ich genieße den Augenblick. Ich bin nach einer langen Reise bei mir angekommen. Ist das nicht herrlich! Aber dennoch tut es verdammt gut Euch hier zu treffen und das Gefühl zu haben, verstanden zu werden…

    Reply
  • Carlo Düllings 14. Mai 2015, 17:05

    Zunächst einmal herzlichen Dank an Jasmin B. und Lackyone, dass Sie sich hier so geöffnet haben. Ihre Kommentare sind sicherlich hilfreich für Menschen, die einen Weg vor sich haben, der dem von Ihnen zurückgelegten sehr ähnlich ist.

    Obwohl ich die Zusammenhänge gut nachvollziehen kann, weiß ich doch nicht, wie es sich tatsächlich anfühlt. Ich selbst hatte früher nämlich genau das gegenteilige Problem, bei dessen Lösung ich nun auch meinen Kunden helfe – zu wenig Empathie. Deshalb finde ich schön, dass Sie sich, aus der Gegenperspektive kommend, hier eingebracht haben und z.B. auch von der Wichtigkeit der Natur für Sie berichten.

    Es ist oft so, dass Menschen mit „zu viel“ Empathie in der Natur einfach besser abschalten können, so wie Sie es auch für sich beschreiben. Ich bin davon überzeugt, dass auch hier das schlichte Bewusstmachen schon sehr nützlich ist, um zu erkennen, wie bestimmte Orte oder Situationen die eigenen Gedanken und Stimmungen beeinflussen. Wenn man bemerkt, dass einen bestimmte Personen, Hobbys oder berufliche Aktivitäten negativ stimmen, sollte man versuchen, zu verstehen, was genau diese Gefühle hervorruft und über mögliche Veränderungen nachdenken. Außerdem ist auch wichtig, dass man sich bewusst Zonen schafft, in denen man auftanken kann. Das können Familie und enge Freunde sein, ein Raum, der nur einem selbst gehört und in dem man für sich alleine sein kann oder eben die Natur.

    Außerdem verdeutlichen mir Ihre Kommentare auch, wie hilfreich ein Austausch mit anderen Betroffenen ist. Wenn ein Mensch nicht nur ein wenig „zu viel“ Empathie hat, sondern es eher in Richtung Hochsensibilität geht, sollte man sich auf jeden Fall mit anderen vernetzen, denen es ähnlich geht. Dank des Internets ist dies heute auch sehr einfach, da zu fast allen Themen Foren existieren. Ich war in diesem Bereich bisher zwar noch nicht sonderlich aktiv, aber in diesem Forum hier wird rege über Hochsensibilität diskutiert: http://www.treffpunkt-hochsensibilität.de

    Beste Grüße

    Carlo Düllings

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  • Désirée 28. Juli 2015, 17:46

    Auch ich habe hergefunden, nachdem mir meine Freundin vorgeworfen hat, keine Empathie zu haben. Das hat mich sehr traurig gemacht und ich begann, im Internet zu suchen.

    Es ist schon so, ich kann nicht in Tränen ausbrechen, wenn es Anderen schlecht geht oder wegen der schlechten Diagnose der Freundin. Allerdings kann ich auch nicht mehr weinen, wenn es mir selber schlecht geht. Ich kann aber sehr wohl Mitgefühl, Mitleid, Anteilnahme etc. empfinden. Ich bin auch immer wieder bereit, anderen Menschen zu helfen, da wo ich dazu in der Lage bin. Mein Leben als lange Jahre unerkannte Asperger Autistin habe ich ganz gut gemeistert. Von meinen Mitmenschen wurde ich jedoch meistens enttäuscht. So wie Jasmin habe ich gelernt, mit mir und meinen Pudeln alleine zu leben und meistens auch gut zu fühlen. Aber: “Jeder kennt die berühmte Frage” …. das sieht meine Freundin eben nicht so und schenkt mir in dieser Beziehung keinen Glauben.

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  • Carlo Düllings 29. Juli 2015, 17:29

    Dass ist natürlich noch mal eine ganz andere Geschichte… Bei anderen Menschen kann man in der Regel natürlich nur insoweit mitfühlen, wie man es auch mit sich selbst kann. Ich würde Ihnen empfehlen, sich dahingehend vielleicht wieder ein bisschen mehr zu öffnen und die Gefühle stärker zulassen oder, falls schon das Erkennen ein Problem sein sollte, wieder stärker in sich hineinzuhorchen. Vielen geht es besser, wenn man negative Gefühle herauslässt, was natürlich nicht zu verwechseln ist mit „es an anderen auslassen“.

    Das Problem bei unterdrückten Gefühlen ist, dass man entweder die negativen Gefühle mit positiven einfach nur übertüncht, ohne die Aussage hinter den negativen Gefühlen anzunehmen und zu verarbeiten. Das führt oft dazu, dass die negativen Gefühle dann irgendwann umso heftiger zum Vorschein kommen. Oder man unterdrückt gleich alle Empfindungen und zieht emotionale Mauern hoch. Dann bekommt man aber auch die schönen Gefühle des Lebens nur als Light-Variante. Und irgendwie geht es im Leben schlussendlich doch gerade darum, schöne Gefühle zu erleben oder?

    Das problematische bei dem Vorwurf ist halt immer, dass jeder mit dem Begriff Empathie etwas anderes verbindet. Sie verstehen darunter vielleicht „Hilfsbereitschaft“ während Ihre Freundin es eher mit „emotionaler Anteilnahme“ gleichsetzt. Während Sie eine Lösung vorschlagen, will Ihre Freundin vielleicht nur in den Arm genommen werden. Wenn Ihre Freundin es mit Ihnen gut meint, ist es vielleicht ein Hinweis, dass Sie sich in diese Richtung weiterentwickeln sollten, aber oft ist es einfach nur ein Vorwurf, vielleicht sogar ein Erpressungsversuch, den man nicht zu persönlich nehmen sollte.

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  • Melitta 29. September 2015, 06:23

    Da ich ein sehr mitfühlender Mensch bin und auch sehr schnell Tränen vergießen kann, wenn mich das Schicksal anderer Menschen bewegt, habe ich umso mehr ein Problem damit, dass meine Tochter (14 Jahre) scheinbar überhaupt nicht empathisch ist und ihr Leben nur ichzentriert führt. Alles was sie tut, tut sie für sich selbst, sie denkt äußerst selten an den Anderen. Wie kann ich das ändern, kann ich das überhaupt? Das ist nämlich zu einem wahren Problem für mich geworden und ich lasse meinen Unmut über dieses Verhalten von ihr ständig verlauten und mache ihr wegen dieser extremen Ichbezogenheit Vorwürfe, was sicherlich falsch ist. Ich kann aber nicht anders, weil ich wie schon gesagt sehr empathisch bin und diese Empathie mich auch antreibt, wo es nur geht zu helfen, allerdings ohne mich dabei aus den Augen zu verlieren. Ich gehöre nicht zu denen, die nicht “nein” sagen können.
    Haben sie ein paar Tipps für mich, wie ich mit meiner Tochter/mit dieser Problematik umgehen soll, ohne deswegen ständig frustriert durchs Leben zu laufen? Danke.

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    • Carlo Düllings 3. Oktober 2015, 18:13

      Grundsätzlich sollte man sich von dem Gedanken, andere Menschen verändern zu wollen, verabschieden. Jeder Mensch sieht die Welt auf seine eigene Art und Weise und jeder wird durch eine positive Motivation angetrieben. Ihre Tochter verhält sich ja nicht egozentrisch, um Ihnen zu Schaden, sondern weil sie sich davon einen Nutzen verspricht. Vielleicht hat sie in ihrer Kindheit öfter erlebt, dass nette Menschen aus ihrem Umfeld häufig ausgenutzt wurden, so dass sie für sich die Erkenntnis gewonnen hat „jeder muss gucken, wo er bleibt“.

      Wenn Ihre Tochter nicht einsieht, warum sie für andere nachgeben soll, wird sie es auch nicht tun, egal was Sie machen. Im Normalfall geht es also nicht darum, den anderen zu mehr Empathie zu erziehen, sondern darum, einen Weg zu finden, um mit weniger empathischen Menschen besser umgehen zu können. Wenn ich Sie richtig verstehe, scheint der direkte Umgang zwischen Ihnen und Ihrer Tochter jedoch nicht das primäre Problem zu sein, sondern eher das Verhalten ihrer Tochter gegenüber Dritten. Wie gesagt, grundsätzlich würde ich davon abraten zu versuchen, jemand anderen zu verändern, aber in einer Eltern-Kind-Beziehung muss man dies natürlich ein wenig differenzierter sehen.

      Sie haben andere Erfahrungen gemacht als Ihre Tochter und natürlich auch eine andere Weltsicht. Wenn Sie schon wollen, dass sich Ihre Tochter nach Ihren Vorstellungen verändert, ist deshalb zunächst einmal Ihre Empathie gefragt und nicht die Ihrer Tochter. Wie Sie selbst bereits erkannt haben, sind Vorwürfe u.ä. hierbei eher schädlich als nützlich, da sie Ihre Tochter in eine Verteidigungshaltung zwingen. Sie wird sich dann auf ihre eigenen Argumente und ihre eigene Perspektive fokussieren, um gegen Ihre Äußerungen bestehen zu können. Ideen, die durch Sie geäußert werden, haben in so einer Situation deshalb keine Chance, von Ihrer Tochter offen und vorurteilsfrei geprüft zu werden.

      Erst einmal müssen Sie also verstehen, warum sich Ihre Tochter so verhält, was an einem empathischen Verhalten auch für Ihre Tochter interessant sein könnte und wenn Sie beides nicht wissen, müssen Sie versuchen, einen empathischen Zugang zu ihr aufzubauen. Erst im nächsten Schritt können Sie sie dann auf eine einfühlsame Art und Weise überzeugen (nicht überreden oder zwingen), sich mit dem Thema Empathie zu beschäftigen.

      Also, wenn sich Ihre Tochter tatsächlich ändern soll, müssen Sie sie aus der Perspektive Ihrer Tochter heraus von der Empathie überzeugen. Vorstufe dazu ist, dass Sie lernen, die Sichtweise Ihrer Tochter zu verstehen und bestenfalls sogar zu akzeptieren.

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  • Peter Pohlmann 29. September 2015, 19:46

    Ich bin nach dem Durchlesen dieses Blogs hier ein wenig nachdenklicher geworden. Schön, dass es diese Begriffserklärung hier gibt, die auch voller Emotionen vom Verfasser und auch von den Lesern gewertet werden.

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  • Irene Keidel-Aparcev 3. Oktober 2015, 19:15

    @ Melitta
    Mit einer 14 jährigen zu reden und dazu noch über Empathie ähnelt einem Gang durch ein Minenfeld. Wahrscheinlich müssten Sie Ihrer Tochter erst einmal erklären, was Empathie überhaupt ist und ob sie es irgendwo in ihrer “Werkzeugkiste” ganz unten überhaupt finden wird.

    Ich schätze die Berichte und die Kommentare von Herrn Düllings sehr, doch meiner Ansicht versucht er bei den Müttern oft, sich erst einmal auf die Gefühle oder Empathie, falls die überhaupt vorhanden sind, ihrer Kinder zu konzentrieren und nach der Ursache zu suchen. Das ist ja nicht verkehrt, aber er scheint mir mehr Verständnis für die Kinder zu haben, als für die Mütter. Die Mütter kommen bei ihm meiner Ansicht generell zu schlecht weg.

    Aber in den meisten Fällen sind die Eltern sehr liebevoll und auch voller Verständnis gegenüber ihren Kindern, nur bei vielen Kindern kommt das nicht an. Viele jugendliche Kinder, aus denen dann später Erwachsenen werden, vergessen ihre Eltern oder wollen einfach nichts mehr mit ihnen zu tun haben und ich bin überzeugt, dass dies nicht die schlechtesten Eltern sind. Oft werden dann die Eltern Opfer dieser kleinen oder schon größeren Monster, die nicht fähig gewesen sind, die ihnen entgegengebrachte Liebe zu verstehen, und schon gar nicht zu erwidern. Manchmal hilft es dann nur noch, einen Schlußstrich zu ziehen, so weh es auch tut. Aber dazu ist ihre Tochter einfach zu jung. Vielleicht hat sie auch mal das Glück, auf einen Gegner zu treffen, der ihr klipp und klar sagt, was er von ihrem Verhalten hält. Es bleibt Ihnen also nichts weiter übrig, als die Sichtweiser Ihrer Tochter zu akzeptieren. Legen Sie aber großen Wert darauf, dass auch Ihre Sichtweise genauso akzeptiert wird.

    Ihre Geschichte erinnert mich an das Verhalten meiner Tochter. Dies Verhalten, was Sie schildern, begann bei meiner Tochter auch ungefähr mit 14. Sie war anderen gegenüber überheblich und arrogant – ja das kann man schon mit 14 sein. Ihr Bruder dagegen war das genaue Gegenteil. D.h. diese Eigenschaften müssen nicht im Elternhaus abgeguckt worden sein, sondern entfalten sich unabhängig von der elterlichen Erziehung. Nach letzten pädagogischen Erkenntnissen kann man nicht alle “Charaktereigenschaften”, mit denen ein Kind uns so im Laufe des Lebens überrascht, auf unsere Kappe nehmen. Bei 6 Kinder haben schließlich alle einen anderen Charakter, also spielen da weitaus mehr Einflüsse mit, als elterliche Einflüsse.

    Ihnen alles Gute und bleiben Sie sich selbst treu, indem Sie nur Zugeständnisse machen, die authentisch sind.

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    • Carlo Düllings 11. Oktober 2015, 20:30

      Frau Keidel-Aparcev, dass tut mir leid, dass Sie das Gefühl haben, bei mir zu schlecht weggekommen zu sein. Mir geht es nicht darum, auf welcher Seite ich stehe, wer Schuld hat oder für wen ich mehr Verständnis habe. Vielleicht noch einmal zu meiner Rolle hier als Empathie-Experte. Ich bin kein Richter, der normativ kontrolliert, wer seine „Empathie-Regeln“ beachtet hat und wer mehr Empathie zeigen muss. Ich bin auch kein Seelsorger, der Menschen in schwierigen Situationen emotional beisteht.

      Ich bin Empathie-Trainer. Das bedeutet, dass ich Menschen dabei helfe, sich besser auf andere einzustellen, um effektiver zu kommunizieren. Sie haben ja auch selbst geschrieben, dass dies bei dem hier skizzierten Gespräch mit einer pubertierenden Jugendlichen ebenfalls wichtig ist. Ihre Analogie dazu finde ich sehr passend.

      Denn wenn wir schon durch ein Minenfeld laufen, sollten wir wenigstens die Augen auf machen. Und sich in einem Gespräch mit offenen Augen umsehen bedeutet, achtsamer zu werden für das, was der andere wirklich sagen will. Welche Träume und Ängste treiben die Person an? Warum ist das von Ihnen gewünschte Verhalten auch entsprechend der Werte und Einstellungen Ihres Gesprächspartners förderlich und positiv? Nur wenn Sie im Gespräch darauf achten, wo die Minen liegen und wie Sie sie umgehen können, haben Sie eine Chance ohne explosive Stimmung anzukommen. Wenn Sie jedoch nur Ihr Ziel sehen und auf direktem Wege versuchen, dorthin zu gelangen, werden Sie es nur mit extrem viel Glück schaffen.

      Aber wie finde ich nun den Weg durchs Minenfeld? Was es bedeutet, empathisch zu kommunizieren, lässt sich in Blog-Kommentaren leider nur allgemein und abstrakt diskutieren, da Empathie immer von den beteiligten Personen und der konkreten Situation abhängt. Ein Verhalten, das in einer Situation absolut zielführend ist, kann unter anderen Umständen genau das Falsche sein.

      Zum Schlussstrich möchte ich mich aber gerne noch äußern. Wenn jemand (egal ob die Kinder, der Partner oder auch der Chef) die ihm entgegengebrachten Freundlichkeiten nicht respektiert, man aber seinen „Kuschelkurs“ fortsetzt, führt das natürlich nicht dazu, dass der andere auf einmal aufwacht und erkennt, was man alles für ihn oder sie macht. Statt eines wirklichen Schlussstrichs würde ich aber bereits versuchen, viele kleine Grenzen zu ziehen und konsequent einzuhalten, bevor alles eskaliert. Statt einen großen Graben zwischen Ihnen und der nahe stehenden Personen zu ziehen, machen Sie ihr klar, welche Dinge sie beachten muss, damit Sie sich für sie auf Kompromisse einlassen. Und nicht erst Tage später, sondern sofort in der Situation, in der sie sich respektlos verhält. Zudem sollte man sachlich und verständlichvoll im Ton sein, bei den Inhalten aber hart bleiben.

      Wichtig ist natürlich, dass Sie jemandem der nur Stärke respektiert, nicht mit leeren Drohungen kommen. Wenn Sie z.B. wieder helfen, obwohl Sie es für einen bestimmten Fall explizit ausgeschlossen haben, lernt die andere Person, dass sie sich verhalten kann, wie sie will, ohne Rücksicht auf Sie nehmen zu müssen und sie behält, dass sie auf Ihre Aussagen keinen Wert legen muss, da Sie selbst es ja auch nicht tun.

      So viel dazu. Wie gesagt, mir geht es nicht um die Frage wer ist Schuld oder wer sich (von einem normativen Standpunkt aus gesehen) ändern muss. Zu mir kommen individuelle Menschen mit konkreten Fragen. Die Fragestellung ist dabei immer: Was kann ich tun, um meine Situation zum Positiven zu verändern?

      Ansonsten sucht man einen Schuldigen und da man selbst ja nichts machen kann („ich hab schon alles versucht, der andere muss sich ändern“) verfällt man unter Umständen sogar in eine Art Ohnmacht und gibt letztlich die Verantwortung über das eigene Leben ab. Ein Stück weit habe ich diesen Prozess ja auch in meinem Artikel zur Selbstkompetenz beschrieben.

      Mir geht es also immer darum, dem Einzelnen aufzuzeigen, was er selbst an seiner Situation ändern kann.

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  • Irene Keidel-Aparcev 12. Oktober 2015, 19:19

    Sehr geehrter Herr Düllings,

    es ging mir nicht um Schuldzuweisung. Davon kann keine Rede sein. Verzeihen Sie, wenn ich mich unzulänglich ausgedrückt habe. Aber was habe ich davon, wenn ich vorsichtig durch ein Minenfeld gehe und der andere eine Mine nach der anderen in die Luft gehen lässt und meine Seele verletzt, ohne es überhaupt zu merken oder es nicht merken zu wollen. Sicher kann man da nie sein. Da nutzt mir doch meine ganze Empathie nicht.

    Meine Auffassung ist, dass sich Empathie oder Gefühle oftmals als Schädlinge der Kommunikation erweisen. Vor allem in sehr persönlichen Beziehungen, die schon mit Gefühlen vollgepflastert sind und für das Wort kaum noch Platz bleibt. Die Freiheit der Gefühle setzt aber die Freiheit des Wortes voraus und sei sie noch so schmerzhaft. Wenn dann nicht mehr über Ängste und Wünsche kommunizieren werden kann, was mache ich dann? Wenn ich mit der eigenen Tochter nicht einmal mehr über den 11. September diskutieren kann, weil sie sich dazu ihre Meinung aus amerikanischen Serien holt. Was ist da noch zu machen? Persönliche Dinge einzubringen, lässt sich wohl nicht vermeiden. Finden Sie nicht, dass es unheimlich traurig machen kann, wenn ein einst junges, wildes Mädchen sich zur einer Bourgeoise entwickelt und der Schwiegersohn – Polizist – mir sagt, meine Emails bringen Unruhe in das Leben meiner Tochter. Vielleicht wäre eine wenig Unruhe gar nicht so schlecht. Aber ich habe wohl die falschen Vorstellungen.

    Meine Tochter will ihre Ruhe – ein Leben in Harmonie und ich passe da nicht mehr rein. Das muss ich einfach akzeptieren. Um mit mir in Kontakt zu bleiben, stellt mein Tochter Bedingungen. Und zwar, über was wir schreiben und über was ich nicht nicht zu schreiben habe. Meiner Meinung klappt so etwas überhaupt nicht – ob mit Empathie oder ohne. Dies Bedingungen werden von außen hergestellt. Künstlich erzeugt, während die innere Welt – meistens auf beiden Seiten – noch ganz anders aussieht. Danach ist die Enttäuschung noch größer. Manchmal kann man also, so traurig es auch ist, an der Situation nichts ändern und sollte es auch nicht, trotz Empathie. Das Gute ist: Man kann sich auch die „Schuldzuweisung” ersparen.

    Herzliche Grüße – Ihre Irene Keidel-Aparcev

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  • Jasmin B. 18. Oktober 2015, 12:35

    H. Carlo Düllings

    Das Wort zum Sonntag :)

    Ich finde Sie außerordentlich kompetent.

    Liebe Grüße

    Reply
  • Carlo Düllings 20. Oktober 2015, 17:08

    @ Jasmin B.
    Dankeschön =)

    @ Frau Keidel-Aparcev
    Das ist natürlich schon hart, wenn einem – auch wenn es nur bestimmte Themen sind – quasi der Mund verboten wird. Insofern kann ich Ihre Empörung oder Frustration sehr gut nachvollziehen und ich verstehe, dass es nicht ganz einfach ist, seine Gefühle in einer so emotionalen Konstellation beiseite zu schieben. Was allerdings auch wahr ist, ist, dass Emotionen in den meisten Konflikten eher zur Eskalation, statt zur Lösung beitragen. Aber wie ich hier bereits des Öfteren erwähnt habe, Blog-Kommentare sind nicht wirklich dazu geeignet, einen konkreten Konfliktfall aufzulösen, da dieser schlicht zu komplex und vielschichtig ist.

    Obwohl mir in meinem Leben auch bereits eine handvoll sehr negative Menschen begegnet sind, bei denen ich mich bewusst gegen weiteren Kontakt entschieden habe, würde ich dies trotzdem eher als Ultima Ratio ansehen. Aus diesem Grund habe ich hier in meinen Antworten lieber erst mal andere Lösungsvorschläge gemacht.

    Irgendwann sollte man natürlich auch auf seine Selbstempathie achten und nicht nur auf die Empathie für andere, damit haben Sie Recht. Man darf sich emotional nicht zu sehr von anderen abhängig machen und sobald ein gewisser Punkt konstant überschritten wird, ist Abschottung manchmal tatsächlich die beste Wahl. Aber wie gesagt, obwohl in Ihrem Fall wahrscheinlich richtig, sollte grundsätzlich gelten, dass man zunächst versucht, alle anderen Wege auszuschöpfen, bevor man den Kontakt einschränkt oder sogar abbricht.

    Reply
  • Irene Keidel-Aparcev 21. Oktober 2015, 21:18

    @Jasmin: Vielen Dank für Ihre liebenswürdigen Zeilen.

    Es ist ja bekannt, dass gerade in Familien, manchmal auch in denen, die gar keine mehr sind, die Emotionen besonders hoch kochen. Vielleicht gegenseitiges Schuldbewusstsein oder gegenseitige Schuldzuweisungen. Ich meine in diesem Fall nicht den Familienkrach, der bereinigt werden kann, sondern Tiefsitzendes. Wenn dann noch darauf bestanden wird, egal von welcher Seite aus, bestimmte Dinge auszuklammern, ist eine Kommunikation auf ehrlichem Wege nicht mehr möglich. Einer, aber meistens beide machen sich was vor, wenn sie glauben, Licht ins Dunkel zu bringen. Diese Auffassung wird von vielen Psychologen vertreten und ich stimme dem zu. Aber ich will nicht das Wort Schuld benutzen sondern eher das Wort Entfremdung, was weitaus bitterer ist und auch viel öfter der Fall sein dürfte. Schuld könnte man vielleicht aufarbeiten. Ich glaube, dass es eher zur Entfremdung geführt hat und ob man Entfremdung aufarbeiten kann, ist fraglich. Mir ist es jedenfalls nicht gelungen.

    Natürlich ist ein Blog – selbst ein so guter wie dieser – kein Terrain, wo man solche Probleme lösen kann. Aber das ist für mich auch nicht der Sinn der Sache. Dafür braucht man Psychologen, z.B. Verhaltenspsychologen oder wenn es wirklich an die innerste Schale geht, einen Psychoanalytiker. Mir tut es schon gut, mich mit jemanden auszutauschen. Ob er mich versteht oder mir sagt, dass ihm für mein Verhalten jedes Verständnis fehlt, ist zweitrangig, so lange eine Verurteilung ausbleibt.

    Ich habe vor einigen Tagen einen wunderbaren Film gesehen “Auf der Straße”. Er fing ziemlich schnulzig an. Der Mann hatte den Job verloren, die Frau aber nicht eingeweiht. Plötzlicher Tod des Mannes. Hausverkauf, dann der Weg in die Obdachlosigkeit und auf die Straße. Was mich an dem Film so fasziniert hat, war gar nicht das eigentliche, finanzielle Problem und die daraus resultierenden Folgen – sondern die Entfremdung zwischen Mutter und Tochter, was gar nicht so in den Vordergrund gestellt wurde, immer nur in kleinen, aber sehr eindrucksvollen Szenen. Für mich ein beeindruckender Film.

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  • Renata 15. Februar 2016, 03:26

    Was ich noch ergänzen möchte:

    1. Die Stärke der Empathiefähigkeit hängt laut Ihnen von situativen Faktoren ab. Das stimmt. Aber zusätzlich hängt sie auch von inneren Faktoren / der Psyche ab. Wenn ich selbst bestimmte Gefühle gut kenne (weil ich sie selbst schon durchgemacht habe oder öfters erlebt habe) reagiere ich schneller und stärker empathisch. Wenn ich selbst vor bestimmten Gefühlen Angst habe, wehre ich sie innerlich ab und nehme sie schlechter wahr (unbewusst vermutlich aber schon). Auch meine inneren Überzeugungen / Glaubenssätze spielen eine Rolle: wenn ich bestimmte Gefühle ablehne nehme ich sie ebenso schlechter wahr (Beispiel: ich finde das affektierte Verhalten mancher Frauen, wenn sie auf kleines schutzloses Mädchen spielen um etwas zu erreichen, lächerlich und lehne es ab – dementsprechend empfinde ich auch keine Empathie). Allerdings spielt da wiederum eine sehr differenzierte und feine Empfindungsfähigkeit eine Rolle: wenn man unterscheiden kann, ob das Gefühl echt ist oder nur gespielt (kleines Mädchen spielen manche absichtlich oder steigern sich absichtlich rein). Ist es echt, bin ich eher empathisch.

    2. Außer der kognitiven und emotionalen Empathie gibt es meiner Erfahrung nach noch etwas Drittes (vielleicht sogar Viertes oder Fünftes, man muss nur intensiver hinschauen): manchmal kann ich bei anderen Menschen Gefühle wahrnehmen, die äußerlich noch gar nicht sichtbar sind oder demjenigen noch gar nicht bewusst sind. So habe ich z.B. mal in einer Kneipe 2 Menschen an unterschiedlichen Tischen sitzen sehen und spürte sofort, dass die beiden sich verlieben können. Sie selbst hatten noch gar nicht dementsprechend reagiert (nicht zum anderen hingeschaut etc.). Oder ich nehme wahr, dass jemand den anderen auf Anhieb nicht mag (ja, das kann jeder empathisch wahrnehmen), aber gleichzeitig fühle ich, dass der eine auf bestimmte Ängste und persönliche Probleme im anderen reagiert und dann z.B. ablehnend reagiert, weil ihm diese Dinge zu nahe gehen und dass er die Person an sich vielleicht nicht ablehnt. Oberflächlich würde man nur wahrnehmen, dass beide sich nicht mögen. Aber es geht mir hier um die viel differenziertere, feinere Wahrnehmung, die oft gar nicht beachtet wird. Oder ich nehme wahr, dass diese Person lächelt, innerlich aber total Angst hat. Oder ich nehme wahr, dass diese Person suizidgefährdet ist – und das beim allerersten Eindruck. Das tue ich nicht bei jedem und dauernd, aber bei manchen Menschen kann ich sozusagen äußerst intensiv, tiefgehend und differenziert wahrnehmen. Für mich ist diese Fähigkeit am ehesten eine Art intuitiver emotionaler Wahrnehmung. Und diese Intuition ist wie alle anderen Sinne auch bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger ausgeprägt. In unserer Gesellschaft wird das allerdings kaum wahrgenommen.

    3. An Frau Keidel-Aparcev: ich bin ehrenamtliche Hospizbegleiterin. In den Familien des/der Sterbenden habe ich viele unterschiedliche Reaktionen und Verhaltensweisen beobachtet. Die Abwendung vom Sterbenden / sich Zurückziehen hat oft als Ursache, dass es einigen Töchtern/Söhnen/Ehepartnern/Eltern so nahe geht, wie der andere leidet, dass sie es selbst nicht aushalten können. Ich würde bei der nächsten Begegnung einfach mal reinspüren, was mit dem anderen innerlich emotional los ist und wie er reagiert, manchmal versteht man dann. Außerdem gab es Familienangehörige, die sich abwandten, aber am Schluss doch da waren – sie haben ihre Zeit gebraucht um es selbst zu verdauen. Und manchmal ist es so, dass derjenige vielleicht selbst eigene große Probleme hat, diese aber nicht mitteilt, um den anderen nicht noch mehr zu belasten. Bei Kindern kann es auch sein, dass Sie vielleicht Ihrer Tochter viel Liebe gegeben haben, weil sie viel davon haben und empfinden, dem Kind ist das aber irgendwann zu eng, es will hinaus in die Welt und seine eigenen Erfahrungen machen.

    4. An Melitta: mit 14 Jahren ist man in der Pubertät, einer Art Rebellions- und Selbstfindungsphase. Man ist innerlich sehr unsicher und möchte gleichzeitig stark sein. Man muss sich selbst erst finden, eigene Erfahrungen machen. Da wartet ja sooo viel in der Welt, da möchte ICH erst einmal rausgehen und alles entdecken, herausfinden, was ICH will, leben, was MIR Spaß macht. Ich glaube, wenn ich zurückschaue, dann war ich während dieser Zeit auch ein Stück weit egoistisch. Man sollte sowieso immer gleichzeitig egoistisch sein, wenn man anderen hilft, sonst verliert man sich selbst. Auf gewisse Weise ist also Egoismus auch etwas Gesundes, Nötiges. Und mit 14 ist man wirklich noch sooo jung, Ihre Tochter kann sich später als sehr emotional herausstellen. Ich weiß noch, dass ich damals in dem Alter vieles in mir verborgen hielt, weil ich verunsichert oder verletzt oder zu empfindsam war. So habe ich mit 16 leider gelernt, meine Zuneigung nicht unbedingt zu zeigen, denn als ich in einen Jungen verknallt war, haben mich mein Bruder und mein Vater ausgelacht! So lernte ich: Emotionen sind eine Schwachstelle, damit können Dir andere weh tun. Aber zum Glück habe ich immer auch meine Emotionen sehr geschätzt. Deshalb bin ich z.B. auch sehr gerne Frau, weil wir offener unsere Emotionen leben können und meiner Ansicht nach auch generell emotionaler sind (weil dies natürlich auch in unserer Erziehung bei Mädchen zugelassen wurde und bei Jungen eher unterdrückt wird – “Du bist doch kein Mädchen” etc.). Emotionen sind für mich etwas sehr Kostbares. Ich kann aber auch verstehen, wenn andere nicht so emotional sind. Die Menschen sind halt in allem sehr verschieden.

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  • Carlo Düllings 18. Februar 2016, 10:54

    Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar! Ja, die empfundene Empathie hängt auch davon ab, wie oft Sie dasselbe Gefühl bzw. dieselbe Situation bereits selbst durchlebt haben. Denn dadurch entstehen in Ihrem Gehirn mehr Spiegelneuronen, die sich auch besser vernetzen. Wenn ein Laie jemanden beobachtet, der Geige spielt, sind nur wenige Spiegelneuronen aktiv. Bei einem Profi-Geiger sind es hingegen viel mehr, da sein Gehirn über ein viel stärker ausdifferenzierteres neuronales Netzwerk für „Geige spielen“ verfügt.

    Empathie ist auf jeden Fall ein sehr komplexer und vielschichtiger Begriff. Das was Sie beschreiben, lässt sich auch mit den Konzepten von kognitiver und emotionaler Empathie erklären. Beides sagt nichts über die Tiefe der empfunden Empathie aus, sondern nur über die Art.

    Was passiert, wenn Sie spüren, dass sich zwei Personen sympathisch finden werden, noch bevor sich diese kennengelernt haben? Sie bemerken, was jemand anderes als positiv empfindet und erkennen auch, dass die dritte Person über diese Eigenschaften verfügt. Da Sie sich jedoch nicht die aktuellen Empfindungen der beiden Personen einfühlen, sondern eher deren Gedanken und Ansichten aufspüren, handelt es sich um kognitive Empathie – unabhängig davon, ob Sie sich bewusst eindenken oder ob sie es einfach irgendwie spüren.

    Übrigens: Wenn Sie erkennen, dass jemand „kleines schutzloses Mädchen“ nur spielt, um eine Erleichterung zu bekommen, ist genau das Empathie. Wenn Sie drauf hereinfallen würden hingegen nicht, da Sie dann ja nicht erkennen, was in Ihrem Gegenüber wirklich vorgeht.

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  • Ingrid Ullmann-Bammer 31. August 2016, 07:20

    Empathie könnte das ICH und DU verbinden.

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