Autismus und seine Verbindung zum HUMM®-Persönlichkeitsmodell

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Autismus

Autisten sind meist eher an Sachen, als an Menschen interessiert

Was im HUMM®-Persönlichkeitsmodell heutzutage der Artist ist, wurde in der Erstveröffentlichung Autist genannt. Doch hängt der Artist wirklich mit Autismus zusammen? In diesem Artikel geht es vor allem um diese Frage. Zur Beantwortung werde ich außerdem erläutern, was Autismus ist und was seine Ursachen sind. Da Autismus auch im Bezug auf Empathie sehr interessant ist, werde ich mich auch im nächsten Artikel damit beschäftigen. Da geht es dann um das Zusammenspiel zwischen Spiegelneuronen, Autismus und Empathie.

Was ist Autismus?

Autismus ist ein angeborener, von der Norm abweichender Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsmodus des Gehirns. Die WHO rechtet ihn zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Autismus wird vor allem mit Schwierigkeiten in der Kommunikation und im Sozialverhalten sowie mit stark ritualisiertem Verhalten in Verbindung gebracht. Er ist grundsätzlich nicht heilbar, auch wenn es Ansätze zur Linderung von Autismus gibt.

Autismus hat viele Abstufungen, weshalb in der wissenschaftlichen Literatur meist von Autismus-Spektrum-Störungen gesprochen wird. Die Bandbreite reicht von sehr schwachen Beeinträchtigungen, die häufig nicht einmal als Autismus, sondern eher als „normale“ Schüchternheit beschrieben werden, bis hin zu schweren geistigen Behinderungen. Im deutschsprachigen Raum wird in der Regel zwischen drei verschiedenen Formen von Autismus unterschieden:

  • Asperger-Autismus ist eine eher leichte Form, die von den Betroffenen oft auch nicht als Krankheit, sondern eher als Andersartigkeit wahrgenommen wird
  • Kanner-Autismus, auch frühkindlicher Autismus genannt, ist eine wesentlich stärkere Form, die meist schon sehr früh auftritt
  • Atypischer Autismus ist dem Kanner-Autismus sehr ähnlich, jedoch mit etwas anderen Symptomen und / oder einem unterschiedlichen Verlauf

Welche Ursachen hat Autismus?

Auch wenn die Ursachen von Autismus noch nicht vollständig aufgeklärt sind, ist sich die Fachwelt im Großen und Ganzen darin einig, dass vor allem genetische Prädisposition (in Kombination mit weiteren Faktoren) für Autismus verantwortlich ist. Die meisten der entsprechenden Gene beeinflussen die Entwicklung des Gehirns.

So finden sich bei Autisten häufig vor allem in der linken Gehirnhälfte Beeinträchtigungen, abnorme Veränderungen des Stammhirns sowie eine Anomalie in der sensorischen Reizverarbeitung. Letzteres führt beispielsweise dazu, dass Autisten Reize teilweise wesentlich intensiver wahrnehmen, als andere. Der Wunsch, sich vor Reizüberflutung zu schützen, kann die für Autismus typische Zurückgezogenheit dann noch weiter verstärken. Zudem konnte auch nachgewiesen werden, dass die Gehirnzellen von Autisten weniger starke Bindungen untereinander eingehen – vor allem im präfrontalen Cortex (Stirnlappen) des Gehirns, also da, wo sich die für Empathie wichtigen Spiegelneuronen befinden.

Neben einer möglichen direkten Beeinflussung des Gehirns, könnte es auch einen indirekten Zusammenhang über biochemische Faktoren geben. Bei einigen Autisten lässt sich beispielsweise eine erhöhte Konzentration der Neurotransmitter Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Serotonin feststellen. Zudem gibt es Autisten, bei denen die Verabreichung bestimmter Coenzyme oder spezielle Diäten (kein Kasein, kein Gluten), zu einer Verringerung typisch autistischer Symptome führen.

Autismus und das HUMM®-Persönlichkeitsmodell

Wie auf der Seite zur Entstehung des HUMM®-Persönlichkeitsmodells beschrieben, entwickelte sich das HUMM® aus Forschungsergebnissen der klinischen Psychologie heraus. Die Persönlichkeitstypen des HUMM® sind deshalb mit verschiedenen psychischen Störungen assoziiert. Eine davon ist auch der Autismus, der in der wissenschaftlichen Literatur zum HUMM® mit dem Persönlichkeitstypen Artist korrespondiert.

Die Schnittmenge zwischen Autismus und dem Artist lieg in der Zurückgezogenheit. Beide leben in ihrer eigenen Welt, tun sich schwer damit, neue Kontakte aufzubauen und neigen zu Schüchternheit. Was aber fundamental anders ist: der Artist hat eine sehr hohe Empathie, Autisten sind eher für das Gegenteil bekannt. Der Artist hat ein sehr feines Gespür dafür, was in anderen vorgeht und wie er mit ihnen interagieren müsste, aber er traut sich nicht. Bei Autisten ist es umgekehrt. Sie würden sich trauen, mit anderen zu interagieren, haben aber Schwierigkeiten, soziale Spielregeln zu erkennen und zwischen den Zeilen zu lesen.

Dieses Mismatching liegt vor allem am Alter des HUMM®. Die Arbeit Rosanoffs stammt aus dem Jahr 1920. Die von Humm und Wadsworth aus dem Jahr 1935. Zu diesem Zeitpunkt wurden die innere Zurückgezogenheit beim Autismus und die innere Zurückgezogenheit bei der Schizophrenie noch als ein Krankheitsbild aufgefasst. Bei Rosanoff ist autistisches Verhalten deshalb ein Teil der Schizophrenie. Humm und Wadsworth spalten Rosanoffs Schizophrenie dann in Paranoia und (einen falschen) Autismus auf.

Erst durch die Arbeiten von Asperger (ab 1938) und Kanner (ab 1943) wurde zwischen dem aktiven Zurückziehen der Schizophrenen und den bereits seit Geburt bzw. dem Kleinkindalter in innerer Zurückgezogenheit lebenden Autisten unterschieden. Der Autismus, vom dem Rosanoff, Humm und Wadsworth sprechen, ist nach heutiger Auffassung also kein Autismus, sondern ein Teilaspekt der Schizophrenie.

Darüber hinaus möchte ich auch noch einmal betonen, dass Humm und Wadsworth die Merkmale von Rosanoffs Schizophrenie nicht einfach umsortiert haben. Sie haben persönlichkeitsbezogene Merkmale erhoben und diese mit einem statistischen Verfahren ausgewertet. Die Ergebnisse dieser quantitativen Analysen wurden nachträglich durch qualitative Überlegungen wieder mit Rosanoffs Framework in Verbindung gebracht.

Streng genommen haben Humm und Wadsworth Schizophrenie also nicht aufgespaltet, sondern durch eigene Analysen zwei Persönlichkeitstypen identifiziert, die Rosanoffs Beschreibungen der Schizophrenie ähnlich sind. Auch wenn Sie durch Rosanoff inspiriert wurden, haben sie letztlich doch ein eigenes Persönlichkeitsmodell, quasi von Grund auf, neu entwickelt. Man kann deshalb auch nicht davon ausgehen, dass die HUMM®-Typen deckungsgleich mit den Rosanoff-Typen sind. Ein Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitstypen des HUMM® und psychischen Störungen sollte deshalb als eher zufällig beurteilt werden. Wissenschaftlich bewiesen ist ein solcher Zusammenhang auf jeden Fall nicht.

So viel zu den Verbindungen zwischen Autismus und dem HUMM®. Im nächsten Artikel geht es dann darum, wie Autisten Empathie empfinden.

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