Charakteranalyse Angela Merkel: die Titelverteidigerin

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Angela Merkel

Charakteranalyse Angela Merkel – was ist die Bundeskanzlerin für ein Mensch? (© Foto: CDU / Dominik Butzmann)

In diesem Artikel analysiere ich die Persönlichkeit der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Hilfe des HUMM®-Persönlichkeitsmodells. Sicherlich haben auch Sie bereits Unterschiede zu Martin Schulz‘ Charakter feststellen können. Doch was macht den Charakter von Angela Merkel aus? Wieso ist sie als mächtigste Frau der Welt so unprätentiös?

Angela Merkels Werdegang

Obwohl Angela Merkel im sprachlichen Bereich sehr gut war und in Russisch sogar an nationalen Wettbewerben teilnahm, entschied sie sich, nach dem Abitur Physik zu studieren. Angela Merkel befürchtete einen wesentlich stärkeren Einfluss des politischen Systems im Bereich der Sprachen und erhoffte sich von ihrer Studienwahl eine weniger sanktionsanfällige Tätigkeit. Nach Abschluss ihres Studiums, war sie ab 1978 an der Akademie der Wissenschaften beschäftigt, an der sie 1986 promovierte und wo sie bis zum Fall der Mauer arbeitete.

1989 trat Angela Merkel der neu gegründeten Partei Demokratischer Aufbruch bei und nach nur wenigen Wochen entschied sie sich, hauptberuflich im direkten Arbeitsumfeld des Vorsitzenden zu arbeiten. Nach den ersten freien Wahlen in der DDR, fusionierte der Demokratische Aufbruch mit der CDU. Während des ersten gemeinsamen Parteitages lernte Angela Merkel auch bereits Helmut Kohl kennen, der sie 1991 zur Bundesministerin für Frauen und Jugend und 1994 zur Bundesumweltministerin machte.

Als die CDU die Bundestagswahl 1998 verlor, wurde Merkel Generalsekretärin. Im 1999 folgenden CDU-Spenden-Skandal galt Angela Merkel als eine der wenigen, die mit Sicherheit unbelastet war. Unter anderem deshalb wurde sie 2000 CDU-Vorsitzende. Als mögliche Kanzlerkandidatin überlies sie 2002 noch Stoiber den Vortritt, bevor sie 2005 selbst Bundeskanzlerin wurde. Seitdem regiert Angela Merkel unser Land.

Angela Merkel – besonnen und vernünftig

Angela Merkels stärkster Persönlichkeitstyp ist der Normal. Sie ist sehr rational, vermeidet es, unangenehm aufzufallen und hat eine gute Selbstbeherrschung. Normals sind zudem auch immer bemüht, das Beste aus einer gegebenen Situation zu machen. Ein solches Verhalten zeigte Angela Merkel zum Beispiel beim Nato-Gipfel in Kehl am Rhein 2009. Als Berlusconi aussteigt und Merkel ihn begrüßen möchte, ist dieser gerade in einem Telefongespräch. Er lässt sie, die mächtigste Frau der Welt, warten. Anstatt gereizt zu reagieren, wie man es bei Menschen, die kontinuierlich hofiert werden, erwarten könnte, bleibt Angela Merkel entspannt. Sie begrüßt zunächst alle anderen Gäste und als Berlusconi nach Ankunft des letzten Gastes immer noch telefoniert, wird er schlicht ignoriert. Ein anderes Beispiel ist ihre Studienwahl. Merkel wählt Physik nicht, weil es ihre Leidenschaft ist, sondern weil sie es für die vernünftigste Wahl hält. Menschen, die impulsiver und emotionaler agieren, hätten sich in Merkels Situation tendenziell für die Sprachen entschieden. Auch ihre eher monotone und emotional nicht besonders mitreißende Art zu reden, ist typisch für Normals.

Auch Angela Merkels Büro sieht genau so aus, wie man es von einem Normal erwarten würde. Es ist sehr ordentlich und aufgeräumt. Auch die Farbwahl (Schwarz, Weiß, Grau) ist idealtypisch für einen Normal. Normals hängen sich außerdem gerne Landschaftsbilder oder ein Porträt des Unternehmensgründers in ihr Büro. Auch wenn Konrad Adenauer natürlich nicht „der Gründer“ der CDU oder der Bundesrepublik Deutschland ist, spricht das Bild von ihm in Merkels Büro eine klare Sprache.

Angela Merkel – die mächtigste Frau der Welt

Wie ich in Peer Steinbrücks Charakteranalyse bereits erläutert hatte, ist es nahezu unmöglich in eine Position wie die des Bundeskanzlers zu gelangen, wenn man keinen Politician hat. Obwohl Angela Merkels Normal so stark ist, dass der Poltician teilweise überlagert wird, ist er dennoch klar vorhanden. Dies lässt sich am besten an den von ihr gewonnen Machtkämpfen festmachen.

Als die CDU 2002 die Bundestagswahl verloren hatte, witterte Angela Merkel die Chance, ihre persönliche Machtbasis auszubauen. Zusätzlich zu ihrem Posten als Parteivorsitzende forderte sie den CDU/CSU-Fraktionsvorsitz im Bundestag, den zu diesem Zeitpunkt noch Friedrich Merz innehatte. Obwohl Merz sich weigerte, seine Position aufzugeben, schaffte es Angela Merkel letztlich beide Parteiämter zu besetzen.

In einem weiteren Machkampf konnte sich Angela Merkel gegen den Andenpakt durchsetzen. Im Andenpakt hatten sich mehrere führende CDU-Politiker (u.a. Koch, Wulff und Oettinger) bereits seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Jungen Union dazu verpflichtet, sich gegenseitig nicht zu schaden und wenn möglich zu unterstützen. Selbstverständlich wollten sie 2005 einen aus ihrer Mitte zum Kanzlerkandidaten machen. Trotz dieses mächtigen Bündnisses wurde Angela Merkel Kanzlerkandidatin.

Angela Merkels Persönlichkeit

Angela Merkels Persönlichkeit ist wesentlich weniger polarisierend, als der Charakter von Peer Steinbrück. Steinbrück hat zwei starke Charakterzüge, die anderen fünf HUMM®-Typen sind eher schwach ausgeprägt. In Merkels Charakter spielen, neben dem Normal und dem Politician, auch andere Persönlichkeitstypen eine Rolle. Auch wenn die anderen Persönlichkeitstypen keinen dominanten Einfluss auf Merkels Charakter haben, führen sie insgesamt doch zu einer ausgewogeneren Persönlichkeit.

Der entscheidende Grund aber, wieso Merkel bei der Masse der Menschen besser ankommt, liegt vor allem an ihrem Normal, der fast immer zu einem gesellschaftlich akzeptierten Verhalten führt. Merkel will nicht unangenehm auffallen und hat eine hohe Selbstkontrolle. Zudem richtet sie ihr Verhalten meist an den gesellschaftlichen Konventionen aus. Beispiel Atomausstieg. Zunächst ist sie dagegen. Als die öffentliche Meinung in Deutschland nach Fukushima jedoch kippt, lässt sie sich relativ schnell von ihrer ursprünglichen Meinung abbringen. Es ist typisch für Normals in Führungspositionen, dass sie sich zunächst einmal ein Bild machen und alle relevanten Meinungen einholen. Bevor entschieden wird, werden Situation und Handlungsoptionen analysiert und die vorgebrachten Argumente gegeneinander abgewogen. Der Führungsstil ist sachlich, kaum dogmatisch und primär von inhaltlichen oder machtpolitischen Überlegungen geprägt.

Aber auch Angela Merkel hat natürlich Schwächen. Ein typisches Problem des Normal-Politicians ist, dass er immer eine gewisse Distanz zu anderen Menschen wahrt und dadurch häufig kühl und unnahbar wirkt. Auf Partys in ihrer Jugendzeit kann dies für Angela Merkel schwierig gewesen sein, aber als Kanzlerin wird eine gewisse Distanz sogar erwartet. Ein eher kumpelhaftes Auftreten würde von den meisten Menschen zwar begrüßt (dies kann man z.B. beim zurzeit amtierenden Papst Franziskus sehen, einem starken Mover), aber nicht erwartet.

Ein weiterer Kritikpunkt kann darin bestehen, dass sie aus jeder Situation das Beste machen will. Dies ist zwar ein sehr löblicher Ansatz, führt aber dazu, dass man reagiert, statt zu agieren. Angela Merkel managt und verwaltet die auf sie zukommenden Herausforderungen, aber sie verpasst dabei unter Umständen die Chance, gezielt neue Situationen herbeizuführen. Revolutionäre Visionen und Ideen wird man von ihr eher nicht erwarten können. Dafür ist ihr Artist zu niedrig und ihr stark ausgeprägter Normal ist in diesem Bereich eher kontraproduktiv, da es ihm schwer fällt, gegen geltende Konventionen zu verstoßen und sich auf etwas völlig Neuartiges einzulassen.

Ich hoffe, dass ihnen dieser Artikel über Angela Merkel und der über Martin Schulz einen guten Überblick über die Persönlichkeiten der zur Wahl stehenden Kanzlerkandidaten bieten. Wenn Sie lernen möchten, eine solche Charakteranalyse selbst durchzuführen, sollten Sie unser Ebook Soziales Kompetenztraining herunterladen.

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